"Gesundheitsminister der Herzen"

Prof. Dr. Karl Lauterbach (SPD) wird neuer Bundesgesundheitsminister

07.12.2021·Die Besetzung des Gesundheitsressorts im Kabinett der Koalition aus SPD, B90/Die Grünen und FDP ist länger als andere Positionen offengeblieben. Nun machte es der künftige Kanzler Olaf Scholz (SPD) am Montagvormittag kurz: "Die meisten haben sich gewünscht, dass Karl Lauterbach Gesundheitsminister wird. Er wird es".

In einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Civey hatten zuvor 59 Prozent der Befragten eine Ernennung Lauterbachs begrüßt, was ihm schon vorab den Titel "Gesundheitsminister der Herzen" einbrachte.

Prof. Dr. Karl Lauterbach
Karl Wilhelm Lauterbach wurde am 21.02.1963 in Düren geboren. Er ist geschieden und hat fünf Kinder. Seine politische Heimat war zunächst die CDU, seit 2001 ist er Mitglied der SPD. In den Bundestag zieht Lauterbach bereits seit 2005 als direkt gewählter Abgeordneter des Wahlkreises 101 Leverkusen und Köln Mülheim ein. Bei der Bundestagswahl im September 2021 erzielte er dabei mit 45,6 Prozent der Stimmem das beste Ergebnis aller Direktkandidaten aus NRW.

Vor seiner Zeit im Bundestag leitete er seit 1998 das Institut für Gesundheitsökonomie und Klinische Epidemiologie (IGKE) in Köln, welches er 1996 im Auftrag der Universitat zu Köln gegründet hat. Momentan ist er dort aufgrund seines Bundestagsmandats beurlaubt.
Akademische Laufbahn
Ab 1982 studierte Lauterbach Humanmedizin an der RWTH Aachen und an der University of Texas at San Antonio (USA). 1991 wurde er im Rahmen von Studien an der Kernforschungsanlage Jülich und an der University of Arizona in Tucson von der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf mit der Dissertation Weiterentwicklung des Parametric Gammascopes auf der Grundlage von experimentellen und klinischen Studien zum Dr. med. promoviert. Von 1989 bis 1992 studierte er an der Harvard School of Public Health, wo er 1990 einen Master of Public Health (MPH) mit Schwerpunkten Epidemiologie und Health Policy and Management erlangte und 1992 einen Master of Science (M.Sc.) in Health Policy and Management. Von 1992 bis 1993 hatte er ein Fellowship (Stipendium) der Harvard Medical School inne. (Quelle: Wikipedia)
Innerhalb der SPD nicht unumstritten

Lauterbach hatte während der Regierungsbildung kein Geheimnis daraus gemacht, dass er sich die Position des Gesundheitsministers zutrauen würde. Durch seine teils polarisierende Art ist er jedoch innerhalb seiner Partei nicht unumstritten. So war er in der vergangenen Legislaturperiode formal nicht einmal für die Gesundheitspolitik zuständig. Die gesundheitspolitischen Sprecherinnen der SPD-Bundestagsfraktion, zunächst Bärbel Bas und dann Sabine Dittmar, standen dagegen regelmäßig in seinem medialen Schatten. "Meine Sachkompetenz ist geschätzt worden, parteiübergreifend", so Lauterbach.

Neben seiner anerkannten Fachkompetenz zur Bekämpfung der aktuellen Pandemie wird sich Lauterbach im Amt des Gesundheitsministers jedoch zu weiteren Themen beweisen müssen. So gilt es insbesondere das Krankenhaussystem zu reformieren, den Pflegenotstand zu bekämpfen und dem Druck zahlreicher Lobbyisten zu begegnen.

AfD fordert Vorsitz im Gesundheitsausschuss

Mit dem Start der Ampelkoalition werden für die neue Legislaturperiode auch die Ausschüsse im Bundestag neu besetzt. Für das Ministerium Lauterbachs ist dabei der Gesundheitsausschuss für das Gesetzgebungsverfahren von zentraler Bedeutung. Dessen Vorsitz soll jedoch offenbar ein Abgeordneter der AfD übernehmen. Dies bestätigte die AfD-Bundestagsfraktion: "Wer dieses Amt übernehmen wird, entscheidet die Fraktion voraussichtlich auf ihrer Fraktionssitzung am kommenden Freitag", teilte ein Sprecher auf Anfrage der Deutschen Apothekerzeitung (DAZ) mit. Die AfD verfolgt eine gänzlich andere Corona-Politik als die Ampel-Koalitionäre. So heißt es im Wahlprogramm der AfD z. B. dass sowohl die Pflicht zum Tragen einer Maske als auch "die verpflichtende Impfung (direkt und indirekt), Immunitätsausweise, sowie Tracking-Apps oder sonstige Überwachungsmaßnahmen" abgelehnt werden.


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