Warten auf einen Facharzttermin

WDR-Umfrage: Hausärzte kritisieren "Geschäftsmodell Dringlichkeit"

18.02.2026·Anfang Februar 2026 hatte der Bundesrechnungshof (BRH) in seinem Bericht die Regelungen des Terminservice- und Versorgungsgesetzes (TSVG) zur Verkürzung der Wartezeiten auf Facharzttermine gerügt. Diese hätten fast drei Milliarden Euro an Beitragsgeldern gekostet, ein Versorgungseffekt sei im Gegenzug jedoch nicht eingetreten. Nach einer Umfrage des WDR rügen nun auch die Hausärzte die Regelungen TSVG. Es sei ein Geschäftsmodell zur Dringlichkeit von Facharztterminen erwachsen.

Wer als gesetzlich Versicherter einen Facharzt konsultieren möchte, muss oft sehr lange auf einen Termin warten. In medizinisch dringenden Fällen stehen dem Hausarzt jedoch zwei Instrumente zur Verfügung, die Kassenpatienten einen schnelleren Termin beim Facharzt verschaffen sollen: Dringlichkeitscodes und Hausarztvermittlungsfälle. Für diese Behandlungen dürfen Fachärzte teils deutliche Zuschläge extra-budgetär abrechnen. Aber: Nutzen manche Fachärzte das Abrechnungssystem aus, um mit Hilfe dieser Instrumente ihr Honorar für die Behandlung gesetzlich Versicherter zu erhöhen? Zumindest bejahen das über alle Bundesländer hinweg mehr als 750 Hausärzte in einer nicht repräsentativen Umfrage, die der WDR für das ARD-Kompetenzcenter "Verbraucher" durchgeführt hat. Gut 820 Hausarztpraxen hatten bei der Umfrage mitgemacht.

Hausärzte fühlen sich unter Druck gesetzt

Die Umfrage des WDR-Verbrauchermagazins "Markt" zeigt: Viele Hausärzte fühlen sich unter Druck gesetzt, weil die besser bezahlten Überweisungen auch in Fällen eingefordert würden, die medizinisch nicht eilig oder nur Routine seien. Patienten mit normalen Überweisungen würden von Fachärzten zurück in die Hausarztpraxen geschickt. Der Beitrag zum Thema wird im WDR-Verbrauchermagazin "Markt" am 18.02.2026 um 20:15 Uhr ausgestrahlt und ist danach im Internet abrufbar (vgl. "Links zum Thema").

Das Terminservice- und Versorgungsgesetz, das die Instrumente Dringlichkeitscode und Hausarztvermittlungsfall beinhaltet, war 2019 vom damaligen Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) eingeführt worden und steht seither immer wieder in der Kritik. Laut Bundesrechnungshof zeige sich nun, dass sich durch das TSVG trotz Mehrausgaben von 2,9 Milliarden Euro seit 2019 die Wartezeiten auf Facharzttermine nicht verkürzt, sondern im Gegenteil sogar verlängert hätten. Das werfe ein Schlaglicht auf den Reformbedarf und die Ineffizienz in der ambulanten Versorgung, so der AOK-Bundesverband. Die Dringlichkeit der Einführung einer verbindlichen Primärversorgung mit klar definierten Versorgungsaufgaben werde überdeutlich.

Der Spitzenverband der Fachärztinnen und Fachärzte Deutschlands hält dagegen finanzielle Anreize für notwendig, um das Angebot an Terminen auszubauen (vgl. "Links zum Thema"). Nur so könnten Praxen Personal einstellen und in moderne Versorgung investieren. Der Verband setzt sich zudem für die vollständige Entbudgetisierung fachärztlicher Leistungen ein.


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