GKV-Finanzsituation bis 01.08.2024 (aktualisiert)

17 Krankenkassen passen Zusatzbeitragssatz an

08.07.2024·Die von den Krankenkassen seit Monaten als prekär beanstandete Finanzsituation schlägt nun auf die Zusatzbeiträge und damit auf die Beitragszahlenden durch. Insgesamt 17 Kassen haben vom 01.04.2024 bis 01.08.2024 eine Beitragsanpassung vorgenommen - in 16 Fällen mit einer teils deutlichen Erhöhung. Mit einem "GKV-Tag" im März 2024 haben die Krankenkassen und ihre Verbände diese Entwicklung als unnötig kritisiert.

Ende Juni hat das Bundesgesundheitsministerium (BMG) die Finanzentwicklung der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) für das 1. Quartal 2024 veröffenticht. Hiernach beträgt das Defizit der Krankenkassen alleine von Januar bis März 2024 insgesamt 776 Millionen Euro. Auch die Finanzreserven der Krankenkassen befinden sich weiter im Abwärtstrend. Sie betrugen Ende März noch rund 7,6 Milliarden Euro, was rund 0,3 Monatsausgaben entspricht. Das gesetzliche Mindestmaß für die Rücklage beträgt 0,2 Monatsausgaben. Seit Ende 2018 wurden die Rücklagen der Kassen insgesamt um rund 13,4 Milliarden Euro abgebaut.

18 Kassen mit Zusatzbeiträgen ab 2 Prozent

Bereits zum Jahreswechsel 2024 haben 45 der 94 Krankenkassen eine Beitragsanhebung beschlossen. 9 Kassen erreichten dabei bereits die 2-Prozent-Marke beim Zusatzbeitrag (AOK Nordost: 2,7 Prozent, BKK Karl Mayer: 2,3 Prozent, AOK Rheinland/Hamburg: 2,2 Prozent, Securvita BKK: 2,2 Prozent, Knappschaft: 2,2 Prozent, BKK Mahle: 2,2 Prozent, BAHN-BKK: 2,2 Prozent, Barmer: 2,19 Prozent und BKK Rieker - Ricosta - Weisser: 2,0 Prozent). Unterjährig haben nun 16 weitere Kassen ihren Beitragssatz angehoben, 9 davon auf mindestens 2 Prozent. Die Ernst & Young BKK konnte ihren Zusatzbeitrag dagegen senken; für die VIACTIV Krankenkasse war es die 1. Anpassung seit über drei Jahren, für die BKK MTU sogar seit über vier Jahren.

Beitragsanpassungen in 2024 (unterjährig):

BKK Diakonie
Zum 01.07.2024 von 1,8 auf 2,69 Prozent
Letzte Anpassung: 01.01.2024

BKK EUREGIO
Zum 01.06.2024 von 1,25 auf 1,79 Prozent
Letzte Anpassung: 01.01.2024

BKK GILDEMEISTER SEIDENSTICKER
Zum 01.05.2024 von 1,50 auf 1,99 Prozent
Letzte Anpassung: 01.01.2024

BKK MTU
Zum 01.06.2024 von 1,60 auf 1,90 Prozent
Letzte Anpassung: 01.01.2020

BKK Pfaff
Zum 01.07.2024 von 1,40 auf 1,80 Prozent
Letzte Anpassung: 01.01.2024

BKK Pfalz
Zum 01.07.2024 von 1,98 auf 2,38 Prozent
Letzte Anpassung: 01.01.2024

BKK Textilgruppe Hof
Zum 01.07.2024 von 1,30 auf 2,80 Prozent
Letzte Anpassung: 01.01.2024

BKK ZF & Partner
Zum 01.06.2024 von 1,69 auf 2,10 Prozent
Letzte Anpassung: 01.01.2024

BKK24
Zum 01.07.2024 von 1,89 auf 2,55 Prozent
Letzte Anpassung: 01.01.2024

BMW BKK
Zum 01.07.2024 von 0,9 auf 1,30 Prozent
Letzte Anpassung: 01.01.2024

Continentale BKK
Zum 01.07.2024 von 1,60 auf 2,20 Prozent
Letzte Anpassung: 01.01.2024

Ernst & Young BKK
Zum 01.06.2024 von 1,54 auf 1,04 Prozent
Letzte Anpassung: 01.01.2023

IKK classic
Zum 01.08.2024 von 1,70 auf 2,19 Prozent
Letzte Anpassung: 01.01.2024

IKK - Die Innovationskasse
Zum 01.07.2024 von 1,70 auf 2,30 Prozent
Letzte Anpassung: 01.01.2024

Merck BKK
Zum 01.05.2024 von 1,10 auf 1,40 Prozent
Letzte Anpassung: 01.07.2023

VIACTIV Krankenkasse
Zum 01.04.2024 von 1,60 auf 1,99 Prozent
Letzte Anpassung: 01.01.2021

vivida bkk
Zum 01.07.2024 von 1,70 auf 2,49 Prozent
Letzte Anpassung: 01.01.2024

Alle Beitragssätze der Krankenkassen finden Sie ständig aktualisiert und sortierbar mit Vergleichs-/Ersparnisrechner in der Beitragsliste / im Beitragsvergleich 2024. Veränderungen bleiben 3 Monate gekennzeichnet. Aus der Liste heraus sind weitere Informationen zu den Kassen verlinkt.

Krankenkassen fordern Politikwechsel

Mit dem ersten "GKV-Tag" haben die Krankenkassen Ende März 2024 auf ihre immer prekärer werdende Finanzsituation hingewiesen und von der Gesundheitspolitik mehr Verantwortung und Weitsicht gefordert. Neben den allgemeinen Kostensteigerungen kritisieren die Kassen neben teuren Reformprojekten insbesondere immer mehr gesamtgesellschaftliche Aufgaben, die vom Staat auf die Krankenkassen übertragen werden (vgl. "Links zum Thema"). So entziehe der Bund den Krankenkassen nach einem aktuellen IGES-Gutachten im Auftrag des GKV-Spitzenverbandes alleine im Rahmen der Zahlung von Bürgergeld jährlich indirekt knapp 10 Milliarden Euro (vgl. "Links zum Thema"). Der Bundeshaushalt werde damit auf Kosten der Beitragszahlenden entlastet.

Würden Bund und Länder ihrer Verantwortung zur Finanzierung gesamtgesellschaftlicher Aufgaben insgesamt nachkommen, wäre aktuell keine Beitragsanhebung notwendig. Ordnungspolitisch richtig beliefen sich ihre Schulden bei der Kranken- und Pflegeversicherung alleine für 2023 auf rund 48,5 Milliarden Euro (vgl. "Links zum Thema").Beitrag vom 03.07.2024, zuletzt aktualisiert: 09.07.2024


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