12 Milliarden für Bürgergeldbeziehende
Krankenkassen und Patientenvertreter werfen Regierung "klar rechtswidrige" Finanzierung und "staatliche Ignoranz" vor
14.04.2026·Nach Unionsfraktionschef Jens Spahn (CDU) hat nun auch der SPD-Vorsitzende, Vizekanzler und Bundesfinanzminister Lars Klingbeil die finanzielle Verantwortung des Bundes zur Übernahme ausreichender Krankenkassenbeiträge für Bürgergeldbeziehende abgelehnt. Die einseitige Belastung der Beitragszahlenden würde damit fortgeschrieben und der Bundeshaushalt systemwidrig aus Beitragsgeldern subventioniert.
Um die Versorgung der Bürgergeldbeziehenden als gesamtgesellschaftliche und damit staatliche Aufgabe ordnungspolitisch richtig zu finanzieren, müsste der Bund rund 12 Milliarden Euro pro Jahr mehr an die Krankenkassen überweisen. Tut er das nicht, führt dies zu höheren Beitragssätzen in der GKV und zur einseitigen Belastung der beitragszahlenden Mitglieder und Arbeitgeber. Privatversicherte, Beamte und Besserverdienende werden entsprechend begünstigt. Zwar ist der Missstand offensichtlich, doch eine Richtigstellung der Finanzierung würde den Bundeshaushalt belasten und insbesondere den Bundesfinanzminister in die Pflicht nehmen.
Kritik von Krankenkassen und Patientenschützern
So äußerte auch der GKV-Spitzenverband deutliche Kritik an Klingbeils Aussage: "Es ist eine grobe soziale Ungerechtigkeit, die gesundheitliche Versorgung von Bürgergeldbeziehern vor allem von den Beitragszahlern der gesetzlichen Krankenkassen finanzieren zu lassen." Die derzeitige Finanzierung sei "klar rechtswidrig", weshalb mehrere Klagen gegen die Bundesrepublik Deutschland liefen (vgl. "Links zum Thema"). Der Rechtsweg sei nötig, da die Politik von sich aus nicht für Gerechtigkeit sorge.
Kritik an Klingbeil äußerte laut Spiegel auch der Vorsitzende der Stiftung Patientenschutz, Eugen Brysch. Der Minister ignoriere die "zentrale sozialstaatliche Gleichung". Gerechtigkeit und Lastenverteilung seien zwei Seiten eines Haushalts und das sei "keine Milchmädchenrechnung". Brysch warf Klingbeil "staatliche Ignoranz" vor.
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