Zustimmungswerte nach Pandemie

PKV und GKV erzielen Bestnoten, übrige Bereiche des Gesundheitswesens verlieren

09.02.2023·In einer bundesweiten Befragung ermittelt das Beratungsunternehmen PwC Deutschland Trendwerte bei der Zustimmung zu einzelnen Bereichen des Gesundheitswesens, welches insgesamt im Vergleich zum ersten Pandemiejahr als weniger gut bewertet wird. Hohe Zustimmungswerte erreichen dagegen die privaten und gesetzlichen Krankenversicherer, was sich nach Meinung der Autoren nicht entsprechend in der Gesundheitspolitik widerspiegelt. Weitere Ergebnisse betreffen die Themen Finanzinvestoren und Nachhaltigkeit im Gesundheitssektor.

Die Pandemie war eine enorme Herausforderung, aber auch eine Chance für das deutsche Gesundheitswesen, sich zu transformieren und seine digitale Infrastruktur auszubauen. Doch der deutsche Gesundheitssektor hat diese Chance weitgehend ungenutzt verstreichen lassen. Die Zustimmungswerte zum deutschen Gesundheitswesen sind nach 2020 wieder spürbar gesunken: Aktuell zählen nur noch 57 Prozent der Deutschen ihr Gesundheitswesen zu den Top-3-Systemen der Welt, während es im ersten Pandemiejahr 2020 noch 72 Prozent waren. In bestimmten Bevölkerungsgruppen, die sich auch gegen das Impfen aussprechen, ist die Skepsis besonders ausgeprägt. Das sind zentrale Ergebnisse des "Healthcare-Barometers 2023", einer repräsentativen Befragung der Beratungsgesellschaft PwC Deutschland unter 1.000 Bürgern.

Hohes Vertrauen in die Arbeit der PKV und GKV

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Zufriedenheitswerte mit Krankenkassen
Fast alle Bereiche des Gesundheitssektors müssen Verluste hinnehmen, es gibt nur eine Ausnahme: Sowohl die privaten als auch die gesetzlichen Krankenversicherer verzeichnen konstant hohe Zustimmungswerte - und das über den gesamten bisherigen Erhebungszeitraum des Healthcare-Barometers seit 2014 hinweg: Derzeit bezeichnen sich 87 Prozent der Studienteilnehmer als "zufrieden" oder "sehr zufrieden" mit der Arbeit der Krankenversicherer. Kaum Unterschiede gibt es dabei zwischen privat und gesetzlich Versicherten. Lediglich in der Frage, ob die Krankenversicherung alle wichtigen Leistungen gewährt, schneiden die gesetzlichen Krankenkassen etwas schlechter ab (84 versus 90 Prozent). "Ich halte es für bemerkenswert, dass die Krankenkassen kontinuierlich ein hohes Vertrauen in der Bevölkerung genießen. Umso unverständlicher ist es für mich, dass sie in die aktuellen Reformdebatten kaum eingebunden werden", sagt Michael Burkhart, Leiter des Bereichs Gesundheitswirtschaft bei PwC Deutschland.

Krankenhäuser verlieren an Zustimmung

Auch in der anstehenden Reform der Krankenhausversorgung und -finanzierung können die Krankenkassen eine wichtige Rolle spielen. Die Kliniken verlieren derzeit deutlich an Zustimmung: Die Zufriedenheit mit der Versorgung im Krankenhaus ist gegenüber dem Vorjahr um zwölf Prozentpunkte auf 51 Prozent gesunken.
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Unzufriedenheit mit Ärzten
Zum Vergleich: Im ersten Pandemiejahr konnten die Kliniken noch Spitzenwerte von 72 Prozent erzielen. Die Bewertung habe sich damit wieder auf dem Niveau der Vor-Pandemie-Zeit eingependelt.

Ähnlich wie der stationäre müsse auch der ambulante Sektor Einbußen verkraften, allerdings in geringerem Maße. Während sich im Jahr 2021 noch 43 Prozent als zufrieden mit der ärztlichen Versorgung in Praxen bezeichneten, sind es laut Umfrage aktuell nur noch 37 Prozent. Hauptkritikpunkte sind der Zeitdruck unter Ärzten (36 Prozent), das Gefühl, vom medizinischen Personal nicht ernst genommen zu werden (22 Prozent), und die Öffnungszeiten der Praxen (21 Prozent).

Der Pharmasektor liegt klar über dem Vor-Pandemie-Niveau

Durch die Pandemie ist die Pharmabranche stärker in den Fokus der Bevölkerung gerückt.
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Einschätzung Pharmaunternehmen
Dank der Erfolge in der Impfstoff-Entwicklung konnte die Branche einen klaren Image-Gewinn verzeichnen. Allerdings sei dieser laut Umfrage momentan wieder leicht rückläufig: Aktuell bezeichnen 31 Prozent Pharmakonzerne als innovative Unternehmen, die mit ihren Produkten Krankheiten heilen. Zum Vergleich: Im ersten Pandemiejahr 2020 lag dieser Wert bei 35 Prozent. Gleichzeitig gelten für 55 Prozent Pharmaunternehmen als Gewinnmaximierer, die zu Lasten der Sozialkassen wirtschaften.

Datenspeicherung unter bestimmten Voraussetzungen akzeptiert

Auch die elektronische Datenspeicherung kann einen wesentlichen Beitrag zur Innovation im Gesundheitswesen leisten und die Versorgung voranbringen. Diese Chance sehen die Bürger durchaus. Unter bestimmten Bedingungen stimmen sie daher der
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Bereitschaft zur Datenspeicherung
Speicherung ihrer persönlichen Daten zu, etwa dann, wenn sich dadurch Beitragssätze reduzieren lassen (85 Prozent), die durchschnittliche Lebenserwartung durch eine bessere Versorgung steigt (84 Prozent) oder sich die Schließung eines Krankenhauses abwenden lässt (80 Prozent).

Die Ergebnisse entsprechen einer aktuellen Umfrage der Bertelsmann-Stiftung zur elektronische Patientenakte (ePA). Das hierzu geplante Opt-out-Verfahren trifft der Befragung zufolge auf großen Rückhalt in der Bevölkerung (vgl. "Links zum Thema"). Drei von vier Befragten wollen die ePA selbst nutzen.

Finanzinvestoren sollen das Gesundheitswesen voranbringen

Ebenso vorsichtig aufgeschlossen zeigen sich die Deutschen, wenn es um Gelder von Finanzinvestoren geht. Während Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) erklärt hat, den Aufkauf von Praxen durch private Investoren untersagen zu wollen, können sich drei Viertel der Bürger eine Beteiligung durchaus vorstellen. Damit sind allerdings Erwartungen verbunden: Private Finanzinvestor:innen sollen dazu beitragen, die Gesundheitsversorgung in Deutschland zu verbessern. "Das ist aus meiner Sicht ... die klare Aufforderung an die Politik, die Beteiligung aktiv zu steuern", so Michael Burkhart.

Die Bedeutung von Nachhaltigkeit wird stark unterschätzt

Anders als die Debatten in der deutschen Gesundheitspolitik scheint die Bedeutung von Nachhaltigkeit im Gesundheitswesen bei der Bevölkerung noch nicht angekommen zu sein. Der Gesundheitssektor ist nach PwC-Angaben mit rund fünf Prozent für einen erheblichen Anteil der CO2-Emissionen in Deutschland verantwortlich, doch nur rund ein Drittel der Befragten könne das richtig einschätzen. Vom Krankenhaussektor, der zu den größten Produzenten von Treibhausgasen gehöre, verlangen lediglich vier Prozent, dass dieser mehr in Nachhaltigkeit investiert. Die Gesundheitspolitik müsse beim Thema ESG (Environmental Social Governance) noch mehr Aufklärungsarbeit leisten, so Burkhart. Auch die anstehende Krankenhausreform sei ohne eine nachhaltige Ausrichtung nicht denkbar.


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