Antragsphase gestartet

BMG fördert Forschungsprojekte zur Frauengesundheit mit 10 Millionen Euro

16.01.2026·Das Bundesgesundheitsministerium (BMG) hat am Mittwoch zwei Förderrichtlinien für die Forschung zum Thema Frauengesundheit veröffentlicht. Ab sofort können sich Interessierte mit ihren Forschungsvorhaben um Mittel aus den insgesamt bis zu zehn Millionen Euro umfassenden Fördertöpfen bewerben.

Frauen werden in der Gesundheitsforschung nach wie vor seltener berücksichtigt als Männer. In der Folge basieren viele diagnostische und therapeutische Verfahren primär auf männlichen Referenzwerten und Krankheitsverläufen. Symptome bei Frauen können dadurch übersehen oder fehlinterpretiert werden, was zu einer Fehlversorgung führen kann.

Bundesgesundheitsministerin Nina Warken: "Das Thema Frauengesundheit braucht mehr Aufmerksamkeit, mehr Verständnis und mehr Wissen. Frauen haben andere Beschwerden, Symptome und Belastungen als Männer. Genau diese Unterschiede sollen sich in der Gesundheitsversorgung besser abbilden. Die Förderung von konkreten Forschungsvorhaben durch das BMG leistet einen wichtigen Beitrag dazu. Ich verspreche mir von den Ergebnissen konkrete Verbesserungen für betroffene Frauen."
Notwendigkeit der Abgrenzung
In Abgrenzung zur Versorgungsforschung für Männer finden sich im weiblichen Lebenszyklus besondere Anforderungen durch Menstruation, Schwangerschaft und Geburt sowie Wechseljahre. Zudem sind Frauen von spezifischen Krankheiten wie Endometriose oder dem Polyzystischen Ovarialsyndrom betroffen und bei zahlreichen Erkrankungen überproportional oder in spezifischer Weise belastet. So treten z. B. Angststörungen, Autoimmunkrankheiten, Depressionen, Migräne und chronische Schmerzkrankheiten bei Frauen deutlich häufiger auf als bei Männern oder zeigen andere Verläufe. Die Versorgungsforschung zur Frauengesundheit müsse laut BMG deshalb über einen Kapazitäts- und Strukturaufbau nachhaltig in der Versorgungsforschung verankert werden.
Inhalt der Förderrichtlinien

Mit der ersten Förderrichtlinie werden Projekte gefördert, die sich mit der patientinnenzentrierten Versorgung von Frauen befassen. Ziel ist es, wissenschaftliche Evidenz zu gewinnen für eine Verbesserung der Versorgung von Frauen in Deutschland. Mit der zweiten Förderrichtlinie sollen gezielt Nachwuchsgruppen an (Fach-) Hochschulen sowie außeruniversitären Einrichtungen im Themenfeld Frauengesundheit aufgebaut werden sowie das Entstehen institutioneller Kapazitäten in der Versorgungsforschung angestoßen werden. Beide Förderrichtlinien haben ein Volumen von jeweils bis zu fünf Millionen Euro. Die Projekte sollen spätestens zum 01.01.2027 starten und können jeweils bis zu drei Jahre sowie für die Nachwuchsgruppen bis zu fünf Jahre dauern.

Thematische Schwerpunkte

In beiden Förderrichtlinien werden gleichlautend folgende thematische Schwerpunkte genannt, an denen ein besonderes Förderinteresse besteht:

Versorgung von Frauen mit frauenspezifischen Erkrankungen,
Versorgung von Frauen mit Erkrankungen mit frauenspezifischen Ausprägungen, beispielsweise hinsichtlich Prävalenz, Inzidenz, Symptomatik, Krankheitslast, Verläufen, Therapieansätzen oder Therapieansprechen,
Auswirkungen sozialer Ungleichheit auf die Gesundheitsversorgung von Frauen in Deutschland; Ungleichheiten im Zugang zum Gesundheitssystem, der Versorgungsqualität oder der
Inanspruchnahme von Leistungen,
Versorgung von Frauen mit Endometriose mit dem Fokus auf versorgungspraktische und psychosoziale Aspekte, Gesundheitskompetenz, Kommunikation zwischen behandelnder und behandelter Person und Information/Aufklärung,
Versorgung von Frauen in den Wechseljahren, einschließlich Prä-, Peri- und Post-meno-pause,
Versorgung rund um Kinderwunsch, Schwangerschaft, Geburt und Wochenbett,
Versorgung von Frauen, die von Gewalt betroffen sind.

Neben diesen Themen sind eigene Themenvorschläge ausdrücklich erwünscht, mit Ausnahme der folgenden, von einer Förderung ausgeschlossenen Themen und Forschungsansätze:

klinische Studien gemäß Arzneimittelgesetz (AMG),
klinische Studien gemäß Medizinproduktegesetz (MPG),
Evaluierung der Wirksamkeit von digitalen Gesundheitsanwendungen (DiGAs),
vergleichende Untersuchungen neuer Versorgungsansätze gegenüber dem Versorgungsstandard,
tierexperimentelle Arbeiten,
Ernährungsstudien, Forschung zu Nahrungsergänzungsmitteln,
Betriebliches Gesundheitsmanagement,
Long COVID/Post COVID (in gesonderten Förderrichtlinien behandelt),
ME/CFS (in gesonderten Förderrichtlinien behandelt),
Entwicklung von medizinischen Leitlinien.

Mit der Abwicklung der Fördermaßnahmen hat das BMG den Projektträger im Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt e.V. (DLR) beauftragt.


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