Unabhängiges Informations- und Karriereportal für die gesetzliche Krankenversicherung
Sonntag, 24.09.2017

Mitteilung

IKK Südwest|17.10.2016

PRESSEMITTEILUNG

IKK-Vorstand bittet Politik um schnelle Reaktion
"Wir investieren lieber in gute Versorgung statt in Kodier-Tricksereien"

Saarbrücken·Viele Krankenkassen nehmen Einfluss auf die Kodierung von ärztlichen Diagnosen, um die maximale Zuweisungsdosis aus dem Gesundheitsfonds abzuschöpfen. Dieses brisante Thema, das aktuell auf vielen Medienkanälen diskutiert wird, beweist, dass der Morbiditätsorientierte Risikostrukturausgleich dringend eine Reform nötig hat. Die IKK Südwest distanziert sich ausdrücklich von solchen Vorgehensweisen und will das Grundvertrauen der Versicherten in die Krankenkassen stützen.

Die IKK Südwest bezieht klar Stellung bei dieser Diskussion, die TK-Chef Jens Baas durch sein Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ vom 10. Oktober 2016) angestoßen hat: "Wir haben keine Kodierverträge und zahlen auch keine Diagnosevergütungen an Ärzte", sagt Prof. Dr. Jörg Loth, Vorstand der IKK Südwest. Aus Sicht der IKK Südwest stellen diese auch Strukturbetreuungsverträge genannten Vereinbarungen keinerlei Mehrwert für die Versichertengemeinschaft dar: "Wir geben lieber Geld für eine gute Versorgung unserer Versicherten aus und nicht für Kodier-Tricksereien."

Die aktuelle Diskussion spricht aber dennoch eine deutliche Sprache: "Sie beweist, wie manipulationsanfällig der Morbi-RSA ist. Je mehr Krankheiten eine Kasse dokumentiert, desto mehr Geld bekommt sie. Ein solches System öffnet auch unlauteren Absichten Tür und Tor", sagt Loth, der aber gleichzeitig realistisch nach vorne blickt: "Es bringt aus unserer Sicht nichts, nun mit dem Finger auf die Bösen zu zeigen. Wichtig sind jetzt Lösungsansätze."

Deshalb sei der notwendige Zeitpunkt gekommen, um manipulationsresistente Instrumente zu schaffen: "Wir sehen den Gesetzgeber in der Pflicht. Er muss nun handeln und Fehlanreize im Morbi-RSA verhindern", verdeutlicht Loth: "Daher verbinden wir mit dieser öffentlichen Diskussion die Erwartung, dass die bekannten Reform-Baustellen nun schneller von der Politik aufgegriffen werden." Klare Regeln, etwa zur einheitlichen und transparenten Kodierung von Diagnosen wie im aktuellen Fall, könnten hier die ersten Schritte auf dem Weg in die richtige Richtung und raus aus der Grauzone sein.

"Die ab und an aufkommende Forderung, dass das Problem behoben wäre, wenn die Kassenaufsicht bei einer Bundesbehörde läge, entbehrt allerdings jeglicher Grundlage, wie das aktuelle Beispiel sehr deutlich zeigt", sagt Prof. Dr. Jörg Loth. Das Problem bestehe unabhängig davon, ob eine Landes- oder eine Bundesbehörde die Aufsicht wahrnimmt. "Entscheidend ist, dass die jeweiligen Kassen sich ihrer Verantwortung für ein an Recht und Gesetz ausgerichtetes Handeln bewusst sind und die Aufsichten hierbei nach einheitlichen Regelungen agieren." Die IKK Südwest untersteht der Aufsicht des saarländischen Gesundheitsministeriums.

Darüber hinaus sieht die IKK Südwest den Morbi-RSA ohnehin als stark reformbedürftig an. "Wenn Kassen, die sich für Präventionsmaßnahmen einsetzen, im Morbi-RSA finanziell benachteiligt werden, kann etwas nicht stimmen. Es darf nicht sein, dass man bestraft wird, wenn man Versicherten hilft, Krankheiten vorzubeugen", sagt Prof. Dr. Jörg Loth. Ein weiteres Merkmal für den Reformbedarf des Morbi-RSA sind die regional unterschiedlichen Versorgungskosten, die für ungerechte Belastungen der Beitragszahler in finanzstarken Regionen wie dem Südwesten Deutschlands sorgen. Die IKK Südwest fordert deshalb im Rahmen einer Morbi-RSA-Reform unter anderem die Einführung einer Ausgleichskomponente der regionalen Ausgabenstrukturen, um mehr Fairness ins Gesundheitswesen zu bringen.

Pressekontakt:

Martin Reinicke
Pressesprecher
Tel.: 06 81/9 36 96-3031
Mobil: 01 70/ 8 52 17 88
Fax: 06 81/9 36 96-3015
E-Mail: martin.reinicke@ikk-sw.de


 

Immer aktuell - der kostenfreie GKV-Newsletter:

GKV-Newsletter

Info|Hilfe|Datenschutzerklärung