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Mittwoch, 16.08.2017

News & Meldungen

Überschüsse im 1. Quartal 2017

Schieflage zwischen Kassenarten verschärft sich weiter

12.06.2017·Während das AOK-System bei den Finanzergebnissen der Krankenkassen zunehmend gut abschneidet, reduzieren sich die Überschüsse der anderen Kassenarten teils deutlich. Unterschiedlich sind auch die Ansichten der Kassenvertreter über die Gründe für diese Entwicklung. Wo die AOK ihr Versorgungsmanagement als besonders effizient lobt, sehen die Ersatz-, Betriebs- und Innungskrankenkassen Fehlsteuerungen im Finanzausgleich als Ursache.

Die gesetzliche Krankenversicherung (GKV) hat ihre Überschüsse im 1. Quartal 2017 weiter ausgebaut. Nach Abschluss der ersten drei Monate haben die insgesamt noch 113 verbliebenen Krankenkassen ein Plus von zusammen rund 620 Millionen Euro verbucht. Dies geht aus Recherchen der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ) hervor. Das Ergebnis liegt damit gut 200 Millionen Euro über dem des Vorjahreszeitraums (1. Quartal 2016: +406 Millionen Euro). Die Gesamtrücklagen der Krankenkassen stiegen hierdurch von 15,9 Milliarden Euro zum Jahresende 2016 auf etwa 16,5 Milliarden Euro per 31.03.2017. Hinzu kommen die Rücklagen aus dem Gesundheitsfonds, die bereits Ende 2016 rund neun Milliarden Euro betrugen.

AOK-System vervielfacht Überschuss

Den höchsten Anteil am Überschuss der Kassen haben den Angaben nach die Allgemeinen Ortskrankenkassen (AOK). Ihr Plus wuchs von 72 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum auf 361 Millionen Euro im 1. Quartal 2017 an. Bei den Ersatzkassen (insbes. TK, Barmer, DAK, KKH, HKK) sank der Überschuss im Jahresvergleich dagegen von 206 auf 155 Millionen Euro, bei den Betriebskrankenkassen (BKK) von 38 auf 30 Millionen Euro und bei den Innungskrankenkassen (IKK) von 33 auf etwa 17 Millionen Euro. Leicht ausbauen konnte die Knappschaft ihren Überschuss von 55 auf 58 Millionen Euro.

Unterschiedlich fällt die Interpretation der Ergebnisse nach Kassenarten aus. Durch "gute Verträge und eine effiziente Versorgungssteuerung" sieht sich die AOK auf der Gewinnerstraße. Ihre Leistungsausgaben seien von Januar bis März 2017 um lediglich 0,5 Prozent gestiegen, was "voraussichtlich weit unter dem Branchenschnitt" liege, zitiert die Ärztezeitung den Chef des AOK-Bundesverbandes, Martin Litsch. Von einer Fehlsteuerung des morbiditätsorientierten Risikostrukturausgleichs (Morbi-RSA) - dem Finanzausgleich der Kassen - geht dagegen der Ersatzkassenverband vdek aus. Die im Morbi-RSA ausgleichsfähigen Ausgaben hätten im 1. Quartal 2017 um 4,1 Prozent zugenommen, während die Zuweisungen nur um 3,9 Prozent gewachsen seien. Ersatz-, Betriebs- und Innungskrankenkassen sehen sich im Morbi-RSA seit Jahren im Nachteil. Nutznießer des bisherigen Verteilungssystems sei die AOK. Eine Allianz aus 12 Krankenkassen (vgl. "Links zum Thema") hatte hierzu im März 2016 ein IGES-Gutachten vorgelegt, wonach das AOK-System im Morbi-RSA eine Überdeckung von 101,12 Prozent erreiche. Die Ersatzkassen kämen auf 99,25 Prozent, die Betriebskrankenkassen auf 99,47 Prozent und die Innungskrankenkassen auf 98,79 Prozent.

BVA untersucht Verteilungseffekte des Finanzausgleichs

Im Auftrag des Bundesversicherungsamtes (BVA) erarbeitet aktuell eine Gruppe von neun Wissenschaftlern ein Sondergutachten zum Morbi-RSA, in dem die bisherigen Verteilungseffekte untersucht und die Folgen verschiedener Reformvorschläge empirisch abgeschätzt werden sollen. Die Ergebnisse sollen im September und damit kurz vor der Bundestagswahl als Entscheidungsgrundlage für die neue Bundesregierung vorliegen.

Demografie: Hohe Rücklagen jetzt für Reformen nutzen

"Die nächste Bundesregierung muss die heute eingefahrenen Überschüsse in der gesetzlichen Krankenversicherung sinnvoll nutzen, um die ambulante Versorgung in der Zukunft zu stärken", fordert Dr. Dominik Graf von Stillfried, Geschäftsführer des Zentralinstituts für die kassenärztliche Versorgung (Zi), angesichts der hohen Rücklagen in der GKV. Mitte der nächsten Legislaturperiode werde die Ruhestandswelle der "Baby-Boom"-Generationen beginnen und bis etwa 2030 andauern. Hierdurch verändere sich das Verhältnis zwischen Beitragszahlern und Patienten nachhaltig.

Bereits vor fünf Jahren habe der Sachverständigenrat im Gesundheitswesen darauf hingewiesen, dass die finanziellen Belastungen durch die demografische Entwicklung geringer ausfallen, wenn vermeidbare Krankenhausaufnahmen konsequent verhindert würden. "Es ist wissenschaftlich erwiesen, dass eine verbesserte ambulante Versorgungsstruktur Krankenhausbehandlungen nachhaltig reduzieren kann - und das bei mindestens gleichbleibender Versorgungsqualität für die Patienten. Die Politik muss jedoch den Mut finden, den erforderlichen Strukturwandel einzuleiten", sagte von Stillfried. Das ZI habe dazu zahlreiche Gutachten vorgelegt (vgl. auch "Links zum Thema").

 

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