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Sonntag, 26.02.2017

News & Meldungen

Pflegeversicherung 2017

Höherer Beitragssatz für mehr Leistungen - Umstellung auf fünf Pflegegrade

04.01.2017·Zum 01.01.2017 wurde die Pflegebedürftigkeit neu definiert. Die bisherigen Pflegestufen 0 bis III wurden hierzu in fünf "Pflegegrade" überführt. Im Vordergrund der Eingruppierung in Pflegegrade steht nicht mehr der minutengenaue Pflegebedarf, sondern die noch vorhandene Selbstständigkeit der Versicherten. Demenzerkrankungen werden hierbei stärker in den Fokus gerückt.

Aktuell erhalten in Deutschland rund 2,8 Millionen Menschen Leistungen aus der sozialen Pflegeversicherung. Im Zuge der Neudefinition der Pflegebedürftigkeit und der damit ebenfalls angepassten Begutachtung wird die Zahl nach Einschätzung der Pflegekassen um etwa eine halbe Million ansteigen. Der sich hieraus ergebende zusätzliche Finanzbedarf ab 2017 wird über die Anhebung des regulären Beitragssatzes um 0,2 Punkte auf 2,55 aufgebracht. Versicherte, die keine Kinder und das 23. Lebensjahr vollendet haben, zahlen seit 01.01.2017 2,8 Prozent Beitragssatz zur Pflegeversicherung.

Umstellung der Pflegestufen in fünf Pflegegrade

Die Höhe der Leistungen aus der Pflegeversicherung hängt maßgeblich vom individuellen Grad der Pflegebedürftigkeit ab. Seit 2017 zählt hierbei insbesondere die verbliebene Selbstständigkeit des Versicherten. Entsprechend werden bei dem neuen Begutachtungssystem zur Pflegebedürftigkeit die Selbstständigkeit und Fähigkeiten des Versicherten in verschiedenen Lebensbereichen nach Punkten bewertet und gewichtet (vgl. "Themenseite"). Für bereits in 2016 als pflegebedürftig eingestufte Versicherte wird die Umstellung in die neuen Pflegegrade automatisch und ohne neue Begutachtung vorgenommen. Dabei gilt: Pflegebedürftige mit ausschließlich körperlichen Einschränkungen erhalten den jeweils nächsthöheren Pflegegrad (also z. B. von Pflegestufe I in den Pflegegrad 2). Menschen mit kognitiven und kommunikativen Einschränkungen kommen in den übernächsten Pflegegrad (z. B. von Pflegestufe II mit eingeschränkter Alltagskompetenz in den Pflegegrad 4).

© VDK DEUTSCHLAND


VdK rät zur Prüfung der Überleitungsbescheide

Die Pflegekassen haben ihren Versicherten bis Jahresende entsprechende Überleitungsbescheide zugeschickt. In dem Schreiben, so der Sozialverband VdK Deutschland, wurden der Pflegegrad und die neuen Leistungsbeträge mitgeteilt. Jörg Ungerer, Leiter der Bundesrechtsabteilung des VdK, rät, diesen Bescheid sorgfältig zu prüfen. Wer einen Fehler entdeckt, sollte auf jeden Fall Widerspruch gegen den Überleitungsbescheid einlegen, rät Ungerer. "Meist handelt es sich um ein technisch bedingtes Versehen", so der Experte. Ist auf dem Schreiben nichts anderes angegeben, hat der Betroffene ein Jahr lang Zeit, um den Bescheid anzufechten. Die Pflegeversicherung ist verpflichtet, eventuelle Zahlungen auch rückwirkend zu leisten. Enthält der Bescheid dagegen eine Rechtsbehelfsbelehrung (zum Beispiel "Gegen diesen Bescheid kann innerhalb eines Monats Widerspruch eingelegt werden."), ist die darin festgelegte Frist zu beachten. Nach Ablauf dieses Termins kann ein Überprüfungsantrag gestellt werden. Nachteile entstünden dem Betroffenen dadurch nicht. "Auch in diesem Fall muss die Pflegekasse rückwirkend Zahlungen leisten oder den Pflegegrad anpassen", erklärt Ungerer.

Bestandsschutz: Pflegekasse zahlt Differenz

Zusätzlich macht der VdK auf eine Bestandsschutzregelung aufmerksam: Für Pflegebedürftige der Pflegegrade 2 und 3 werden die Leistungen in der stationären Pflege abgesenkt. Betroffene, die bereits in einem Pflegeheim leben, müssten sich aber keine Sorgen machen: Für Versicherte, die bereits 2016 in eine Pflegestufe eingruppiert waren, gelte der bisherige Status quo weiter. Sollte sich mit der Umstellung ein höherer Eigenanteil bei den Heimkosten ergeben, übernehme die Pflegekasse die Differenz. Auch für alle zusätzlichen Leistungen gelte der Bestandsschutz: Sie würden wie gewohnt weiter gezahlt.

Rentenanspruch aus häuslicher Pflege

Pflegende Angehörige mussten bisher mindestens 14 Stunden pro Woche aufbringen, um Rentenansprüche für die Pflege zu erwerben. Seit 01.01.2017 ist diese Grenze auf zehn Stunden pro Woche gesunken. Damit werden mehr Menschen als bisher Rentenansprüche aus der häuslichen Pflege ableiten können. Die Prüfung, ob es sich bei dem pflegenden Angehörigen um eine Pflegeperson handelt, stellt der Medizinische Dienst der Krankenversicherung (MDK) bei der Begutachtung der Pflegebedürftigkeit fest. Die Rentenbeiträge bezahlt dann die Pflegekasse des Pflegebedürftigen. Die Höhe des Rentenanspruchs hängt vom Pflegegrad ab, aber auch davon, ob der Pflegebedürftige Pflegesachleistungen, Kombinationsleistungen oder Pflegegeld bezieht.

 

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