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Donnerstag, 23.11.2017

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Mehr Wettbewerb um Qualität

Verbraucherschützer fordern Informationspflicht für Krankenkassen

18.10.2017·78 Prozent der gesetzlich Krankenversicherten wollen verbindliche Vorgaben dazu, welche Informationen gesetzliche Krankenkassen veröffentlichen müssen. Dies geht aus einer repräsentativen Umfrage des Bundesverbandes der Verbraucherzentralen hervor. Eine standarisierte Vergleichbarkeit der Krankenkassen könne den politisch gewollten Wettbewerb um Qualität gegenüber dem Kostenaspekt in den Vordergrund stellen. Die Verbraucherschützer fordern zudem die Wiederherstellung der Beitragsparität, damit die Versicherten nicht alle künftigen Kostensteigerungen über Zusatzbeiträge alleine tragen müssen.

Zusammen mit dem Finanzbedarf der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) wird in den kommenden Jahren auch der Zusatzbeitrag der Krankenkassen weiter steigen. Vor diesem Hintergrund fordert der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) eine Abkehr von der einseitigen finanziellen Belastung der gesetzlich Versicherten über den Zusatzbeitrag. Von der neuen Bundesregierung fordern die Verbraucherschützer deshalb die Rückkehr zur hälftigen Beitragsaufteilung zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer (Beitragsparität). Darüber hinaus fordert der vzbv Maßnahmen zur Stärkung des Qualitätswettbewerbs zwischen den Krankenkassen. Hierzu würde eine weitergehende Informationspflicht für Krankenkassen beitragen. Verbraucher könnten dann nicht nur Kosten, sondern auch Angebote und Services der verschiedenen Krankenkassen standarisiert vergleichen.

Detaillierte Leistungsvergleiche bisher schwierig

Gestützt wird die Forderung durch eine repräsentative Forsa-Umfrage im Auftrag des vzbv. Demnach sprechen sich mit 78 Prozent über Dreiviertel der gesetzlich Krankenversicherten dafür aus, dass verbindlich festgelegt wird, welche konkreten Informationen Krankenkassen zu ihren Leistungen, Service- und Beratungsangeboten veröffentlichen müssen. Im Fokus sollen dabei Zusatzleistungen der Kassen stehen, etwa Nutzungsmöglichkeiten von digitalen Angeboten, Details von angebotenen Hausarztverträgen oder Zusatzleistungen bei der Zahnversorgung, betont Kai Vogel, Gesundheitsexperte beim vzbv. Vor allem in den letzten Jahren haben die Kassen über ihr Leistungs- und Versorgungsmanagement zahlreiche Differenzierungsmöglichkeiten erhalten. Bisher liegt die Schwierigkeit von Vergleichen insbesondere darin, dass die Interpretation der Leistungen von Kasse zu Kasse sehr unterschiedlich ausfallen kann. Insbesondere Übersichten mit reinen "Ja/Nein"-Vergleichstabellen schlagen häufig fehl, da zahlreiche Kassen an das "Ja" weitere (nicht oder unzureichend genannte) Voraussetzungen koppeln oder die entsprechende Leistung in stark unterschiedlichen Ausprägungen übernehmen. Textliche Darstellungen sind dagegen oft genauer, jedoch aufwendiger zu vergleichen. Für Versicherte, die weniger auf konkrete Leistungen zielen, können zudem die Politik und perspektivischen Ziele einer Krankenkasse ausschlaggebend für die Wahlentscheidung sein, sagt Jost Seidel, Redaktionsleiter beim GKV-Portal krankenkassen-direkt.de. Solche Informationen sind nicht tabellarisch darstellbar, sondern ergeben sich oftmals aus den Mitteilungen der Kassen selbst (vgl. Box).

Transparenz bei Leistungsbewilligung- und ablehnung notwendig

Wichtig sind auch Informationen zum Umgang der Krankenkassen mit Anträgen von Versicherten auf Leistungen mit Genehmigungsvorbehalt, etwa Reha-Maßnahmen oder Zahnersatz. "Jede Krankenkasse sollte zumindest jährlich verbindliche Informationen veröffentlichen müssen, wie viele Widersprüche von Versicherten gegen nicht genehmigte Leistungen erfolgreich waren", so die Forderung des vzbv. Bisher finden Verbraucher hierzu kaum Angaben. Ebenfalls 78 Prozent der Versicherten wünschen sich der Umfrage zufolge hierzu weitere Informationen. Eine Darstellung der erfolgreichen Widersprüche nach einzelnen Leistungsbereichen wäre demnach ein großer und wichtiger Informationsgewinn.

© VZBV

Beitragsparität: Arbeitgeber an Beitragssteigerungen beteiligen

Neben einer erhöhten Transparenz zu den Leistungen der Krankenkassen und deren Erbringung setzt sich der vzbv dafür ein, das Risiko künftiger Kostensteigerungen, etwa durch Morbidität oder den medizinischen Fortschritt, nicht alleine von den Versicherten zahlen zu lassen. "Damit Verbraucher die steigenden Kosten der Gesundheitsversorgung nicht weiterhin komplett allein tragen müssen, macht sich der vzbv dafür stark, die Krankenkassenbeiträge wieder paritätisch zu finanzieren, also zu gleichen Teilen durch Arbeitnehmer und Arbeitgeber", so Vogel. Nach der aktuellen Gesetzeslage werden Kostensteigerungen über die individuellen Zusatzbeiträge der einzelnen Kassen getragen, die allein die Arbeitnehmer zahlen.

 

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