Wort & Bild Verlag|02.04.2025
PRESSEMITTEILUNG
Neue Studie zeigt: Drei von vier Erwachsenen verstehen Gesundheitsinformationen nicht
Baierbrunn (kkdp)·Zehn Forderungen an die Politik für eine bessere Gesundheitskompetenz
Nur noch jeder vierte Deutsche findet sich im Gesundheitsdschungel zurecht, deckt eine repräsentative Studie der Technischen Universität München (TUM) in Zusammenarbeit mit der Apotheken Umschau auf. Die gemeinsam mit dem WHO Collaborating Centre for Health Literacy erhobenen Daten zeigen damit im Zehnjahresverlauf eine Verschlechterung von über 20 Prozent. Das hat Folgen für die Gesellschaft: Eine geringe Gesundheitskompetenz führt zu Mehrkosten von jährlich bis zu 24 Milliarden Euro. Die Studienautoren stellen vor diesem Hintergrund zehn Forderungen an die Politik, um schnelle Verbesserungen zu erzielen. Unterstützt werden sie von einem breiten Bündnis aus Fachwelt und Zivilgesellschaft.
Die Gesundheitskompetenz der deutschen Bevölkerung hat einen historischen Tiefpunkt erreicht. Laut einer aktuellen Studie der Technischen Universität München (TUM) und des WHO Collaborating Centre for Health Literacy in Zusammenarbeit mit der Apotheken Umschau haben mittlerweile drei von vier Erwachsenen (75 Prozent) erhebliche Schwierigkeiten beim Umgang mit Gesundheitsinformationen. Die Befragten hatten Probleme, Informationen zu Themen wie Behandlungen von Krankheiten oder Prävention gezielt zu finden, richtig zu verstehen, kritisch zu bewerten und korrekt anzuwenden.
Der Vergleich mit früheren Daten zeigt einen dramatischen Abwärtstrend. Diese Ergebnisse sowie ein zehn Punkte umfassender Forderungskatalog an die Politik zur schnellen Verbesserung der Gesundheitskompetenz wurden heute in München im Beisein der Bayerischen Staatsministerin für Gesundheit, Pflege und Prävention, Judith Gerlach, der Öffentlichkeit präsentiert.
Besorgniserregende Entwicklung seit 2014
Die Zahlen sprechen eine klare Sprache: Lag der Anteil der Menschen mit unzureichender Gesundheitskompetenz 2014 noch bei 54,3 Prozent, stieg er bis 2020 auf 64,2 Prozent. In den letzten vier Jahren verschlechterte sich die Situation nochmals deutlich um weitere knapp 12 Prozentpunkte auf nunmehr 75,8 Prozent im Jahr 2024. Damit hapert es nicht nur bei Entscheidungen, die die eigene Gesundheit betreffen oder die von engen Familienangehörigen wie den eigenen Kindern, sondern auch bei der Orientierung im Gesundheitssystem und der Inanspruchnahme von Leistungen.
Die bundesweit repräsentative, von Juli bis August 2024 durchgeführte Befragung von 2.000 Personen ab 18 Jahren zeigt überdies einen signifikanten Zusammenhang zwischen Gesundheitskompetenz, Lebensalter und Wohnort. So verfügen die über 60-Jährigen über eine bedeutend bessere Kompetenz als jüngere Gruppen. Zudem schneiden Menschen in den ostdeutschen Bundesländern besser ab als in den westdeutschen. Anders als in früheren Studien und weithin angenommen, zeigt sich dagegen kein Unterschied bei den Faktoren Bildung, Migrationsgeschichte, Einkommen und Geschlecht.
Sofortiges Handeln nötig
"Die aktuelle Studie ist ein Weckruf: In einer Zeit, in der automatisierte Chatbots mit gezielten Fehlinformationen arbeiten und Fake News salonfähig geworden sind, braucht es verlässliche Informationen und Rahmenbedingungen, um sich in der Infodemie zurechtzufinden", betont Prof. Dr. Kai Kolpatzik, Chief Scientific Officer beim Wort & Bild Verlag (u.a. Apotheken Umschau). "Jetzt ist der Zeitpunkt, um politisch die richtigen Weichen zu stellen für alle Menschen, ihre Gesundheit und ihre Lebensqualität. Unsere zehn Forderungen an die Politik zielen darauf ab, auf der Grundlage fundierter Daten jetzt ins Handeln zu kommen."
Bayerns Gesundheitsministerin Judith Gerlach unterstrich: "In Bayern arbeiten wir schon intensiv daran, die Gesundheitskompetenz der Menschen zu stärken. Mit wechselnden Schwerpunktthemen informieren wir und klären die Bevölkerung zu wichtigen Gesundheitsthemen auf. Aktuell informieren wir zum Beispiel mit einer Kampagne über das Thema Wechseljahre im Rahmen des Schwerpunkts ´Frauen - sichtbar und gesund´. Die Förderung der Gesundheitskompetenz wird auch ein Teil unseres ´Masterplans Prävention´ sein, der den Präventionsplan von 2015 ablösen wird und den wir noch in diesem Jahr vorstellen werden. Daran beteiligt sind neben den Ressorts der Staatsregierung unter anderem unsere Partner im Bündnis für Prävention, der Öffentliche Gesundheitsdienst, die Gesundheitsregionenplus sowie Bürgerinnen und Bürger. Ich bin überzeugt davon, dass dieser gesamtgesellschaftliche Ansatz die Prävention in Bayern entscheidend voranbringen kann. Aber auch die neue Bundesregierung ist gefordert, die Gesundheitskompetenz in ganz Deutschland zu fördern!"
Prof. Dr. Orkan Okan, Professur für Health Literacy, School of Medicine and Health der Technischen Universität München, Leiter des WHO Collaborating Centre for Health Literacy: "Wir müssen mehr in die Gesundheitskompetenz der Menschen investieren - insbesondere in Schulen und andere Bildungseinrichtungen. Dort legen wir den Grundstein für ein gesundes und gesundheitsbewusstes Leben und können unsere Gesellschaft nachhaltig prägen."
Claudia Küng,Geschäftsführendes Vorstandsmitglied von Health Care Bayern e.V.: "Gesundheitskompetenz bedeutet nicht nur, im Krankheits- oder Pflegefall die richtige Hilfe zu bekommen, sondern auch, zu wissen, wann man wirklich krank ist - und wann nicht. Unser Gesundheitssystem muss klare und strukturierte Wege bieten, aber auch Menschen darin unterstützen, Vertrauen in ihre eigenen Fähigkeiten zu entwickeln. Gesundheit und Krankheit sind kein Entweder-oder, sondern ein Kontinuum - und dieses Bewusstsein muss gestärkt werden. Health Care Bayern e.V. setzt sich genau dafür ein."
Folgen für das Gesundheitssystem: jährlich bis zu 24 Milliarden Euro Mehrkosten
Die mangelhafte Gesundheitskompetenz hat weitreichende Auswirkungen. Menschen mit einer geringen Gesundheitskompetenz sind häufiger und länger krank, nehmen häufiger Notfalldienste in Anspruch, werden öfter im Krankenhaus behandelt und folgen Behandlungsempfehlungen seltener. Das belastet das Gesundheitssystem zusätzlich und verursacht vermeidbare Kosten. Laut WHO-Schätzungen belaufen sich die Folgekosten mangelnder Gesundheitskompetenz auf drei bis fünf Prozent der Gesamtausgaben im Gesundheitswesen, was bezogen auf das Jahr 2022 in Deutschland bis zu 24 Milliarden Euro bedeutet. So würde eine verbesserte Gesundheitskompetenz nicht nur die Lebensqualität der Betroffenen steigern, sondern auch die Effizienz des Gesundheitssystems erhöhen. Grundlage dafür sind einfache, verständliche und verlässliche Gesundheitsinformationen.
Die dringendsten Aufgaben haben die Studienmacher Prof. Dr. Kai Kolpatzik und Prof. Dr. Orkan Okan von der TUM folgendermaßen zusammengefasst:
Zehn Forderungen an die Politik
Die Forderungen werden von einem breiten Bündnis von über 30 Organisationen aus der institutionellen und gesellschaftlichen Ebene des Gesundheits-, Bildungs- und Sozialsystems unterstützt.
Weitere Infos zur Studie, den ausführlichen Forderungskatalog, die Sonderveröffentlichung Apotheken Umschau Impact und den Mitschnitt der Pressekonferenz finden Sie unter www.a-u.de/impact-gesundheitskompetenz.
Nur noch jeder vierte Deutsche findet sich im Gesundheitsdschungel zurecht, deckt eine repräsentative Studie der Technischen Universität München (TUM) in Zusammenarbeit mit der Apotheken Umschau auf. Die gemeinsam mit dem WHO Collaborating Centre for Health Literacy erhobenen Daten zeigen damit im Zehnjahresverlauf eine Verschlechterung von über 20 Prozent. Das hat Folgen für die Gesellschaft: Eine geringe Gesundheitskompetenz führt zu Mehrkosten von jährlich bis zu 24 Milliarden Euro. Die Studienautoren stellen vor diesem Hintergrund zehn Forderungen an die Politik, um schnelle Verbesserungen zu erzielen. Unterstützt werden sie von einem breiten Bündnis aus Fachwelt und Zivilgesellschaft.
Die Gesundheitskompetenz der deutschen Bevölkerung hat einen historischen Tiefpunkt erreicht. Laut einer aktuellen Studie der Technischen Universität München (TUM) und des WHO Collaborating Centre for Health Literacy in Zusammenarbeit mit der Apotheken Umschau haben mittlerweile drei von vier Erwachsenen (75 Prozent) erhebliche Schwierigkeiten beim Umgang mit Gesundheitsinformationen. Die Befragten hatten Probleme, Informationen zu Themen wie Behandlungen von Krankheiten oder Prävention gezielt zu finden, richtig zu verstehen, kritisch zu bewerten und korrekt anzuwenden.
Der Vergleich mit früheren Daten zeigt einen dramatischen Abwärtstrend. Diese Ergebnisse sowie ein zehn Punkte umfassender Forderungskatalog an die Politik zur schnellen Verbesserung der Gesundheitskompetenz wurden heute in München im Beisein der Bayerischen Staatsministerin für Gesundheit, Pflege und Prävention, Judith Gerlach, der Öffentlichkeit präsentiert.
Besorgniserregende Entwicklung seit 2014
Die Zahlen sprechen eine klare Sprache: Lag der Anteil der Menschen mit unzureichender Gesundheitskompetenz 2014 noch bei 54,3 Prozent, stieg er bis 2020 auf 64,2 Prozent. In den letzten vier Jahren verschlechterte sich die Situation nochmals deutlich um weitere knapp 12 Prozentpunkte auf nunmehr 75,8 Prozent im Jahr 2024. Damit hapert es nicht nur bei Entscheidungen, die die eigene Gesundheit betreffen oder die von engen Familienangehörigen wie den eigenen Kindern, sondern auch bei der Orientierung im Gesundheitssystem und der Inanspruchnahme von Leistungen.
Die bundesweit repräsentative, von Juli bis August 2024 durchgeführte Befragung von 2.000 Personen ab 18 Jahren zeigt überdies einen signifikanten Zusammenhang zwischen Gesundheitskompetenz, Lebensalter und Wohnort. So verfügen die über 60-Jährigen über eine bedeutend bessere Kompetenz als jüngere Gruppen. Zudem schneiden Menschen in den ostdeutschen Bundesländern besser ab als in den westdeutschen. Anders als in früheren Studien und weithin angenommen, zeigt sich dagegen kein Unterschied bei den Faktoren Bildung, Migrationsgeschichte, Einkommen und Geschlecht.
Sofortiges Handeln nötig
"Die aktuelle Studie ist ein Weckruf: In einer Zeit, in der automatisierte Chatbots mit gezielten Fehlinformationen arbeiten und Fake News salonfähig geworden sind, braucht es verlässliche Informationen und Rahmenbedingungen, um sich in der Infodemie zurechtzufinden", betont Prof. Dr. Kai Kolpatzik, Chief Scientific Officer beim Wort & Bild Verlag (u.a. Apotheken Umschau). "Jetzt ist der Zeitpunkt, um politisch die richtigen Weichen zu stellen für alle Menschen, ihre Gesundheit und ihre Lebensqualität. Unsere zehn Forderungen an die Politik zielen darauf ab, auf der Grundlage fundierter Daten jetzt ins Handeln zu kommen."
Bayerns Gesundheitsministerin Judith Gerlach unterstrich: "In Bayern arbeiten wir schon intensiv daran, die Gesundheitskompetenz der Menschen zu stärken. Mit wechselnden Schwerpunktthemen informieren wir und klären die Bevölkerung zu wichtigen Gesundheitsthemen auf. Aktuell informieren wir zum Beispiel mit einer Kampagne über das Thema Wechseljahre im Rahmen des Schwerpunkts ´Frauen - sichtbar und gesund´. Die Förderung der Gesundheitskompetenz wird auch ein Teil unseres ´Masterplans Prävention´ sein, der den Präventionsplan von 2015 ablösen wird und den wir noch in diesem Jahr vorstellen werden. Daran beteiligt sind neben den Ressorts der Staatsregierung unter anderem unsere Partner im Bündnis für Prävention, der Öffentliche Gesundheitsdienst, die Gesundheitsregionenplus sowie Bürgerinnen und Bürger. Ich bin überzeugt davon, dass dieser gesamtgesellschaftliche Ansatz die Prävention in Bayern entscheidend voranbringen kann. Aber auch die neue Bundesregierung ist gefordert, die Gesundheitskompetenz in ganz Deutschland zu fördern!"
Prof. Dr. Orkan Okan, Professur für Health Literacy, School of Medicine and Health der Technischen Universität München, Leiter des WHO Collaborating Centre for Health Literacy: "Wir müssen mehr in die Gesundheitskompetenz der Menschen investieren - insbesondere in Schulen und andere Bildungseinrichtungen. Dort legen wir den Grundstein für ein gesundes und gesundheitsbewusstes Leben und können unsere Gesellschaft nachhaltig prägen."
Claudia Küng,Geschäftsführendes Vorstandsmitglied von Health Care Bayern e.V.: "Gesundheitskompetenz bedeutet nicht nur, im Krankheits- oder Pflegefall die richtige Hilfe zu bekommen, sondern auch, zu wissen, wann man wirklich krank ist - und wann nicht. Unser Gesundheitssystem muss klare und strukturierte Wege bieten, aber auch Menschen darin unterstützen, Vertrauen in ihre eigenen Fähigkeiten zu entwickeln. Gesundheit und Krankheit sind kein Entweder-oder, sondern ein Kontinuum - und dieses Bewusstsein muss gestärkt werden. Health Care Bayern e.V. setzt sich genau dafür ein."
Folgen für das Gesundheitssystem: jährlich bis zu 24 Milliarden Euro Mehrkosten
Die mangelhafte Gesundheitskompetenz hat weitreichende Auswirkungen. Menschen mit einer geringen Gesundheitskompetenz sind häufiger und länger krank, nehmen häufiger Notfalldienste in Anspruch, werden öfter im Krankenhaus behandelt und folgen Behandlungsempfehlungen seltener. Das belastet das Gesundheitssystem zusätzlich und verursacht vermeidbare Kosten. Laut WHO-Schätzungen belaufen sich die Folgekosten mangelnder Gesundheitskompetenz auf drei bis fünf Prozent der Gesamtausgaben im Gesundheitswesen, was bezogen auf das Jahr 2022 in Deutschland bis zu 24 Milliarden Euro bedeutet. So würde eine verbesserte Gesundheitskompetenz nicht nur die Lebensqualität der Betroffenen steigern, sondern auch die Effizienz des Gesundheitssystems erhöhen. Grundlage dafür sind einfache, verständliche und verlässliche Gesundheitsinformationen.
Die dringendsten Aufgaben haben die Studienmacher Prof. Dr. Kai Kolpatzik und Prof. Dr. Orkan Okan von der TUM folgendermaßen zusammengefasst:
Zehn Forderungen an die Politik
Gesundheitsbildung früh in Kindergarten und Schule verankern
Medienkompetenz bei Kindern und Jugendlichen stärken
An Kinder gerichtete Werbung für ungesunde Lebensmitte und Influencer-Marketing einschränken
Gesundheitsprofessionen in modernen Kommunikationstechniken schulen
Digitale Gesundheitskompetenz aller Bürgerinnen und Bürger fördern, um Zugang zu ePA und digitalen Angeboten zu verbessern
Aufbau eines Lotsensystems und barrierearme Kommunikation für bessere Orientierung im Gesundheitswesen
Organisationale Gesundheitskompetenz in Gesundheitseinrichtungen ausbauen
Gesundheitskompetenz am Arbeitsplatz fördern
Psychische Gesundheitskompetenz durch öffentliche Kampagnen stärken
"Health Literacy in all Policies" - Gesundheitskompetenz in allen Politikbereichen verankern
Die Forderungen werden von einem breiten Bündnis von über 30 Organisationen aus der institutionellen und gesellschaftlichen Ebene des Gesundheits-, Bildungs- und Sozialsystems unterstützt.
Weitere Infos zur Studie, den ausführlichen Forderungskatalog, die Sonderveröffentlichung Apotheken Umschau Impact und den Mitschnitt der Pressekonferenz finden Sie unter www.a-u.de/impact-gesundheitskompetenz.
Download (PDF, 928 KB):
Studienbericht "Gesundheitskompetenz in Deutschland 2024"
Studienbericht "Gesundheitskompetenz in Deutschland 2024"
Pressekontakt:
Dr. Judith Pöverlein
Leitung Unternehmenskommunikation
Tel.: 089/744 33-343
E-Mail: j.poeverlein@wubv.de