Techniker Krankenkasse|14.01.2026
PRESSEMITTEILUNG
Milliarden-Einsparpotenzial bei Arzneimitteln durch Anpassung an internationale Preise
Hamburg (kkdp)·Im internationalen Vergleich sind deutsche Arzneimittelpreise zu hoch. Das ergibt eine aktuelle Auswertung der Techniker Krankenkasse (TK). Bereits bei den 30 umsatzstärksten Medikamenten ließen sich durch Angleichungen an das internationale Preisniveau jährlich rund 4,37 Milliarden Euro an Arzneimittelausgaben für die gesetzliche Krankenversicherung (GKV) einsparen.
"Verglichen mit den Arzneimittelpreisen in Norwegen, Südkorea oder Japan beispielsweise zahlen wir in Deutschland eindeutig zu viel für dieselben Produkte. Einzelne Medikamente sind in anderen Ländern bis zu 76 Prozent günstiger. Hier muss der Gesetzgeber handeln und dringend Maßnahmen zur Ausgabensenkung ergreifen, insbesondere im Bereich der patentgeschützten Arzneimittel", fordert Dr. Jens Baas. Vorstandsvorsitzender der TK.
Allein die zehn umsatzstärksten Einzelprodukte machten 2024 mit einem durchschnittlichen Apothekenverkaufspreis von knapp 4.300 Euro über elf Prozent der GKV-Gesamtausgaben aus - bei einem Anteil von nur einem Prozent an den abgegebenen Packungen.
Patentarzneimittel treiben Kosten in die Höhe
2024 betrugen die Ausgaben der gesetzlichen Krankenkassen für Arzneimittel mehr als 55 Milliarden Euro - ein Rekordwert. Vor allem neue Patentarzneimittel treiben die Kosten weiter in die Höhe. Obwohl sie nur knapp sieben Prozent der abgegebenen Packungen ausmachen, verursachen sie fast 54 Prozent der Ausgaben. Ein Beispiel für solche potenziellen Blockbuster ist das neue Demenz-Therapeutikum Leqembi®. Dieses wartet mit Jahrestherapiekosten von über 40.000 Euro auf.
Hohe Arzneimittelpreise sichern keinen Produktionsstandort - gefährden aber das Solidarsystem
Die Pharmaindustrie erwirtschaftet in Deutschland circa 0,8 Prozent der gesamten nationalen Bruttowertschöpfung (BWS). Damit liegt sie im europäischen Vergleich lediglich auf Platz 7, obwohl Deutschland gleichzeitig die höchsten Arzneimittelausgaben pro Kopf in Europa verzeichnet. Die Diskrepanz verdeutliche, dass in einer global vernetzten Industrie hohe Arzneimittelausgaben nicht automatisch zu einer erfolgreichen Wirtschaftspolitik führen würden, so Baas. "Hohe Listenpreise in der gesetzlichen Krankenversicherung garantieren uns keine Arzneimittelproduktion in Deutschland und Europa. Sie erhöhen nur die Margen für die pharmazeutischen Unternehmen und belasten die Beitragszahlenden in der GKV."
Drei schnellwirksame Maßnahmen, um Arzneimittelausgaben zu senken
Schon drei kurzfristige Maßnahmen würden die GKV jährlich um bis zu elf Milliarden Euro entlasten: Ein Absenken der Umsatzsteuer auf Arzneimittel von derzeit 19 Prozent auf den ermäßigten Satz von sieben Prozent könnte bis zu sieben Milliarden Euro einsparen. Den Herstellerabschlag für Patentarzneimittel auf 17 Prozent zu erhöhen, brächte bis zu drei Milliarden Euro jährlich ein. Eine weitere Milliarde Euro könnte durch die Einführung von sogenannten Arzneimittel-Fokuslisten eingespart werden. Diese würden Krankenkassen ermöglichen, unter (pharmakologisch)-therapeutisch vergleichbaren Arzneimitteln eine wirtschaftliche Auswahl zu treffen.
Für die vorliegende Betrachtung hat die TK die Arzneimittel-Abgabemengen für das Jahr 2024 aus TK-Daten ausgewertet und auf GKV-Niveau hochgerechnet. Die internationalen Herstellerabgabepreise wurden mit der Preisdatenbank NAVLIN ermittelt (Preisstand: 1. Juli 2024) und nach deutscher Arzneimittelpreisverordnung auf den Apothekenverkaufspreis (AVP) umgerechnet, um eine Vergleichbarkeit herzustellen. Die Einsparpotenziale ergeben sich als Differenz zwischen den Ausgaben mit deutschem AVP und international günstigstem AVP.
Weitere Informationen zum Thema Arzneimittelausgaben und Vorschläge für kostensparende Maßnahmen hat die TK in einem Factsheet Arzneimittelausgaben (PDF, 272 KB) zusammengefasst.
"Verglichen mit den Arzneimittelpreisen in Norwegen, Südkorea oder Japan beispielsweise zahlen wir in Deutschland eindeutig zu viel für dieselben Produkte. Einzelne Medikamente sind in anderen Ländern bis zu 76 Prozent günstiger. Hier muss der Gesetzgeber handeln und dringend Maßnahmen zur Ausgabensenkung ergreifen, insbesondere im Bereich der patentgeschützten Arzneimittel", fordert Dr. Jens Baas. Vorstandsvorsitzender der TK.
Allein die zehn umsatzstärksten Einzelprodukte machten 2024 mit einem durchschnittlichen Apothekenverkaufspreis von knapp 4.300 Euro über elf Prozent der GKV-Gesamtausgaben aus - bei einem Anteil von nur einem Prozent an den abgegebenen Packungen.
Patentarzneimittel treiben Kosten in die Höhe
2024 betrugen die Ausgaben der gesetzlichen Krankenkassen für Arzneimittel mehr als 55 Milliarden Euro - ein Rekordwert. Vor allem neue Patentarzneimittel treiben die Kosten weiter in die Höhe. Obwohl sie nur knapp sieben Prozent der abgegebenen Packungen ausmachen, verursachen sie fast 54 Prozent der Ausgaben. Ein Beispiel für solche potenziellen Blockbuster ist das neue Demenz-Therapeutikum Leqembi®. Dieses wartet mit Jahrestherapiekosten von über 40.000 Euro auf.
Hohe Arzneimittelpreise sichern keinen Produktionsstandort - gefährden aber das Solidarsystem
Die Pharmaindustrie erwirtschaftet in Deutschland circa 0,8 Prozent der gesamten nationalen Bruttowertschöpfung (BWS). Damit liegt sie im europäischen Vergleich lediglich auf Platz 7, obwohl Deutschland gleichzeitig die höchsten Arzneimittelausgaben pro Kopf in Europa verzeichnet. Die Diskrepanz verdeutliche, dass in einer global vernetzten Industrie hohe Arzneimittelausgaben nicht automatisch zu einer erfolgreichen Wirtschaftspolitik führen würden, so Baas. "Hohe Listenpreise in der gesetzlichen Krankenversicherung garantieren uns keine Arzneimittelproduktion in Deutschland und Europa. Sie erhöhen nur die Margen für die pharmazeutischen Unternehmen und belasten die Beitragszahlenden in der GKV."
Drei schnellwirksame Maßnahmen, um Arzneimittelausgaben zu senken
Schon drei kurzfristige Maßnahmen würden die GKV jährlich um bis zu elf Milliarden Euro entlasten: Ein Absenken der Umsatzsteuer auf Arzneimittel von derzeit 19 Prozent auf den ermäßigten Satz von sieben Prozent könnte bis zu sieben Milliarden Euro einsparen. Den Herstellerabschlag für Patentarzneimittel auf 17 Prozent zu erhöhen, brächte bis zu drei Milliarden Euro jährlich ein. Eine weitere Milliarde Euro könnte durch die Einführung von sogenannten Arzneimittel-Fokuslisten eingespart werden. Diese würden Krankenkassen ermöglichen, unter (pharmakologisch)-therapeutisch vergleichbaren Arzneimitteln eine wirtschaftliche Auswahl zu treffen.
Linkhinweis der Redaktion
Für die vorliegende Betrachtung hat die TK die Arzneimittel-Abgabemengen für das Jahr 2024 aus TK-Daten ausgewertet und auf GKV-Niveau hochgerechnet. Die internationalen Herstellerabgabepreise wurden mit der Preisdatenbank NAVLIN ermittelt (Preisstand: 1. Juli 2024) und nach deutscher Arzneimittelpreisverordnung auf den Apothekenverkaufspreis (AVP) umgerechnet, um eine Vergleichbarkeit herzustellen. Die Einsparpotenziale ergeben sich als Differenz zwischen den Ausgaben mit deutschem AVP und international günstigstem AVP.
Weitere Informationen zum Thema Arzneimittelausgaben und Vorschläge für kostensparende Maßnahmen hat die TK in einem Factsheet Arzneimittelausgaben (PDF, 272 KB) zusammengefasst.
Pressekontakt:
Laura Hassinger
laura.hassinger@tk.de
040 - 69 09-20 58
