Medizinischer Dienst Bund|18.06.2026
PRESSEMITTEILUNG
IGeL-Monitor bewertet Osteopathie bei unspezifischen Kreuzschmerzen mit "unklar"
Rückenschmerzen zählen zu den am weitesten verbreiteten Beschwerden und sind einer der häufigsten Gründe für Arbeitsunfähigkeit. Viele Patientinnen und Patienten setzen auf osteopathische Behandlungen als Selbstzahlerleistung. Wer das für sich in Betracht zieht, sollte sich über den zu erwartenden Nutzen und Schaden informieren.
Der wissenschaftliche Nachweis eines Nutzens steht nach wie vor aus
Eine methodisch hochwertige Übersichtsarbeit hat zehn randomisierte kontrollierte Studien mit insgesamt 1.160 Teilnehmenden ausgewertet. Die Ergebnisse zeigen zwar einzelne Hinweise darauf, dass Osteopathie Beschwerden bei chronischen unspezifischen Kreuzschmerzen lindern könnte. Allerdings ist die Aussagekraft dieser Ergebnisse sehr gering. Der Grund: Die zugrundeliegenden Studien haben methodische Schwächen, deshalb ist die Evidenzqualität niedrig. Außerdem könnte ein sogenannter Publikation-Bias vorliegen. Das bedeutet, dass Studien mit positiven Ergebnissen häufiger veröffentlicht werden als Studien mit negativen Ergebnissen.
In der Gesamtschau ergibt sich daher kein nachweisbarer Nutzen der Osteopathie bei unspezifischen Kreuzschmerzen. Zwei weitere neuere Einzelstudien bestätigen diese Einschätzung. Hinweise auf Schäden durch osteopathische Behandlungen wurden ebenfalls nicht gefunden. Allerdings wurden unerwünschte Nebenwirkungen in den Studien nur unzureichend erfasst.
Kosten
Die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen die Kosten für eine osteopathische Behandlung nicht. Sie ist eine von den Versicherten selbst zu zahlende IGeL-Leistung. Pro Behandlungseinheit fallen in der Regel Kosten zwischen 80 und 150 Euro an; üblicherweise werden mehrere Behandlungen empfohlen. Viele gesetzliche Krankenkassen bezuschussen die Behandlung jedoch freiwillig.
Hintergrund
Unspezifische Kreuzschmerzen sind Schmerzen im unteren Rücken, für die sich keine eindeutige körperliche Ursache finden lässt. Nur bei etwa jeder fünften betroffenen Person gibt es einen körperlichen Befund. Damit ist Kreuzschmerz in den meisten Fällen "unspezifisch". Die Ursachen für unspezifische Kreuzschmerzen können sowohl körperliche, psychische sowie soziale Faktoren umfassen - von Bewegungsmangel und Fehlbelastung durch langes Sitzen bis hin zu Stress, Angst oder depressiven Verstimmungen. Frauen sind etwas häufiger betroffen als Männer.
Die Osteopathie ist ein komplementärmedizinisches Verfahren, das davon ausgeht, dass der Körper ein zusammenhängendes System ist, in dem Muskeln, Knochen, Organe, Nerven und Gefäße in ständiger Wechselwirkung stehen. Störungen an einer Stelle des Systems können demnach Beschwerden an ganz anderen Stellen verursachen. Osteopathinnen und Osteopathen versuchen, mit gezielten manuellen Techniken solche Blockaden zu lösen, um so die Selbstheilungskräfte des Körpers zu aktivieren. Unterschiedliche Techniken wie die parenterale, viszerale und kranio-sakrale Osteopathie werden unter dem Begriff der "osteopathischen Manipulationstherapie" (OMT) zusammengefasst.
Unter www.igel-monitor.de erhalten Versicherte evidenzbasierte Bewertungen zu sogenannten Selbstzahlerleistungen. Der IGeL-Monitor wird vom Medizinischen Dienst Bund betrieben, der von den 15 Medizinischen Diensten in den Ländern getragen wird. Der Medizinische Dienst Bund koordiniert und fördert die fachliche Arbeit der Medizinischen Dienste und erlässt Richtlinien, um die Begutachtung und Beratung nach bundesweit einheitlichen Kriterien sicherzustellen.
Der IGeL-Monitor bietet evidenzbasierte Gesundheitsinformationen zu Selbstzahlerleistungen in der ärztlichen Praxis. 61 wissenschaftliche Bewertungen sind aktuell auf der Webseite abrufbar:
Zu weiteren acht IGeL gibt es auf der Webseite eine ausführliche Information ohne eine Bewertung. Weitere zwei vom IGeL-Monitor bewertete Leistungen wurden zwischenzeitlich in den GKV-Leistungskatalog aufgenommen.
Pressekontakt:
Anne Rummer
Freie Journalistin
Redakteurin IGeL-Monitor
Mobil: 0176 84703576
E-Mail: presse@igel-monitor.de
Medizinischer Dienst Bund
Pressestelle, Michaela Gehms
Tel. 0172 367-8007
E-Mail: michaela.gehms@md-bund.de
