IFBG GmbH|22.01.2026

PRESSEMITTEILUNG

Repräsentative Daten zum Krankenstand und der telefonischen Krankschreibung in Deutschland

Konstanz (kkdp)·Der hohe Krankenstand in Deutschland sorgt wieder einmal für teils hitzige Diskussionen. Vor allem über die Abschaffung der telefonischen Krankschreibung wird derzeit intensiv debattiert. Was dabei kaum Berücksichtigung findet? Die Perspektive der Beschäftigten. Und die haben einen sehr differenzierten Blick auf das Thema, wie eine Befragung der ZF BKK und IFBG (ehemals Institut für Betriebliche Gesundheitsberatung) zeigt.

Viele der 1.025 befragten Beschäftigten haben durchaus Verständnis für die Sorgen der Arbeitgeber. Unter anderem glaubt ein Großteil von ihnen, dass die telefonische Krankschreibung ausgenutzt wird (66,2%) oder zu einem erhöhten Krankenstand beiträgt (62,0%). Doch auch die Bedenken der Gewerkschaften, v. a. dass Beschäftigte im Falle einer Abschaffung der telefonischen Krankschreibung vermehrt krank arbeiten (Präsentismus), können viele Beschäftigte nachvollziehen. Denn 68,3% von ihnen haben schon einmal krank gearbeitet, weil ihnen der Gang zum Arzt zu lästig war.

Ralf Hirmke, Vorstand der ZF BKK, fasst zusammen: "Was unsere Befragung klar zeigt: Das Schwarz-Weiß-Denken von Politik, Arbeitgebern und Gewerkschaften ist fehl am Platz. Die Beschäftigten haben einen sehr ausgewogenen Blick auf die telefonische Krankschreibung und übrigens auch auf Teilkrankschreibungen. Viele sehen Vorteile, viele aber auch Nachteile. Die Regierung sollte bei Maßnahmen gegen den hohen Krankenstand also unbedingt auf die Beschäftigten hören."

Das Differenzierungsvermögen der Erwerbstätigen zeigt sich auch in Bezug auf Symptome bzw. Erkrankungen. Acht von zehn Beschäftigten sagen: Bei einem Kratzen im Hals könne man durchaus arbeiten, bei Durchfall oder Fieber hingegen nicht.

"Die meisten Beschäftigten sehen, dass es körperliche oder psychische Beschwerden gibt, die nicht gleich eine Krankschreibung erfordern. Dennoch ist an dieser Stelle eine fortlaufende Aufklärungsarbeit durch die Hausärzte, Betriebsärzte, Krankenkassen und das Betriebliche Gesundheitsmanagement wichtig", sagt Dr. Utz Niklas Walter von IFBG, der die Befragung im Auftrag der ZF BKK mit seinem Team durchgeführt hat.

Ein Telefonat mit dem Arzt des Vertrauens könne an dieser Stelle durchaus helfen, zu entscheiden, bei welchen Beschwerden man im Betrieb oder im Homeoffice weiterarbeiten kann und bei welchen man sich wirklich auskurieren sollte, um Unfälle zu vermeiden und keine Krankheiten zu verschleppen. "Allerdings hängt die Akzeptanz der telefonischen Krankschreibung stark davon ab, dass sich die Ärzte auch wirklich die Zeit für eine möglichst verlässliche Anamnese am Telefon nehmen bzw. nehmen können und ein mögliches "Krankfeiern" identifizieren", ergänzt Dr. Utz Niklas Walter von IFBG.

Der Schlüssel für weniger Krankheitstage liegt laut Ralf Hirmke letztlich in der Führung sowie der Unternehmenskultur. "Beschäftigte, die sich ihrem Arbeitgeber in hohem Maße verbunden fühlen, fehlen in der Regel nur, wenn sie auch wirklich krank sind. Auch das Pflichtgefühl den Kolleginnen und Kollegen gegenüber ist hier ein starker Faktor, was für die aktive Förderung einer Teamkultur durch Teambuildingmaßnahmen, Führungskräfteworkshops und die Berücksichtigung von sozialen Kompetenzen bei Stellenbesetzungen spricht", so der Vorstand der ZF BKK.

Im Übrigen haben sich laut Befragung schon einmal 43,7% der Beschäftigten telefonisch krankschreiben lassen - jüngere Mitarbeiter häufiger als lebensältere Mitarbeiter. Dennoch sagen 75,9% der Befragten, dass die telefonische Krankschreibung beibehalten werden soll.

Den Vorschlag der Einführung einer Teilkrankschreibung bewertet ein Großteil der Beschäftigten in Deutschland eher positiv. 58,6% sagen, dass eine Krankschreibung für einen halben Tag oder für eine bestimmte Tätigkeit eine sinnvolle Maßnahme ist. Und 54,4% geben an, dass sie diese Möglichkeit nutzen würden - jüngere eher als ältere Beschäftigte.

Dr. Utz Niklas Walter sieht in der Teilkrankschreibung Chancen und Risiken: "Unsere Befragung hat gezeigt, dass das Prinzip "wer krank ist, soll sich auskurieren und möglichst vollständig genesen" in vielen Fällen richtig ist, aber nicht immer. Auch die Beschäftigten sehen das so. Gerade weil in Bezug auf die Teilkrankschreibung noch so viele Fragen offen sind, sollte dieser flexible Ansatz in Pilotprojekten getestet werden."

Ein weiteres Thema, das die Regierung im Zusammenhang mit dem hohen Krankenstand beschäftigten könnte, ist die Lohnfortzahlung im Krankheitsfall. Deutschland hat mit der 100-prozentigen Lohnfortzahlung für bis zu sechs Wochen eines der großzügigsten Lohnfortzahlungssysteme der Welt. Ob eine Verkürzung zu mehr Wirtschaftsleistung oder zu weniger Produktivität aufgrund von Präsentismus führt, ist umstritten. Die Beschäftigten jedenfalls sagen mehrheitlich (58,6%), dass sie wieder schneller arbeiten würden, wenn sie kein Gehalt mehr im Krankheitsfall erhalten würden. Ralf Hirmke von der ZF BKK dazu: "Auch mit Blick auf die sechswöchige Lohnfortzahlung im Krankheitsfall rate ich zu einer undogmatischen und differenzierten Auseinandersetzung mit den Vor- und Nachteilen. Und auch wenn Modelle anderer Länder nicht einfach auf Deutschland übertragbar sind, sollte die Regierung diese in wirtschaftlichen Krisenzeiten sehr genau prüfen."

Pressekontakt:

Katja Kummer
E-Mail: katja.kummer@ifbg.eu
Telefon: +49 157 805 170 26


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