AOK-Bundesverband eGbR|03.04.2025
PRESSEMITTEILUNG
Umfrage: 86 Prozent der Deutschen rechnen mit weiteren Beitragssatzsteigerungen zur Kranken- und Pflegeversicherung noch in diesem oder im kommenden Jahr
Die große Mehrheit der Deutschen glaubt nicht an eine baldige Beitragssatzstabilität zur Kranken- und Pflegeversicherung - im Gegenteil: 86 Prozent erwarten, dass die Beiträge schon in diesem oder im kommenden Jahr noch weiter steigen werden. Das ist das Ergebnis einer aktuellen und repräsentativen forsa-Umfrage im Auftrag des AOK-Bundesverbandes.
Auch die bereits in diesem Jahr erfolgten Beitragssatzsteigerungen sind in der Bevölkerung spürbar: Fast jeder zweite Befragte fühlt sich dadurch sehr bzw. eher belastet (17 bzw. 29 Prozent), in Ostdeutschland gab dies sogar die Mehrheit (52 Prozent) an. Zum Jahreswechsel hatten die gesetzlichen Kranken- und Pflegekassen ihre Beiträge durch die Bank anheben müssen. Der erhobene durchschnittliche Zusatzbeitragssatz der gesetzlichen Krankenversicherung sprang damit um über 1,2 Prozentpunkte von 1,7 auf 2,92 Prozent. In der sozialen Pflegeversicherung (SPV) stieg der allgemeine Beitragssatz um 0,2 Prozentpunkte.
Mit Blick auf die Koalitionsgespräche fordert Dr. Carola Reimann, Vorstandsvorsitzende des AOK-Bundesverbandes, eine Trendumkehr in der Gesundheits- und Pflegepolitik: "Seit Jahren lässt man die Sozialversicherungsbeiträge laufen und dehnt die Belastungsgrenzen der gesetzlich Versicherten aus. Das darf nicht so weitergehen! Von der künftigen Koalition muss jetzt unbedingt ein glaubwürdiges Signal der nachhaltigen Beitragsstabilisierung ausgehen, der Bund muss endlich seiner Finanzverantwortung nachkommen und außerdem die Ausgaben drosseln." Das sieht auch die große Mehrheit der Befragten so: Demnach halten 91 Prozent die Stabilisierung der Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung für sehr wichtig oder eher wichtig.
Strukturreformen benötigt
Gleichzeitig haben laut forsa-Umfrage aber nur 20 Prozent der Befragten den Eindruck, dass die Beitragsgelder zur Kranken- und Pflegeversicherung "im Großen und Ganzen wirtschaftlich eingesetzt" werden. Dagegen glauben 70 Prozent der Befragten, dass "die Beitragsgelder zu wenig effizient eingesetzt werden und zu viel Geld verschwendet" werde. Rund 10 Prozent antwortet mit "weiß nicht" oder macht keine Angabe.
Reimann: "Wir müssen wirklich aufpassen, dass sich dieses Gefühl der Verschwendung nicht verfestigt. Denn ohne Zweifel gibt es hohen Reformbedarf, es versickert heute zu viel Beitragsgeld in veralteten und unkoordinierten Strukturen, die Versicherten merken, dass sie einerseits immer mehr bezahlen und anderseits an Grenzen des Systems stoßen, etwa durch Wartezeiten auf Facharzttermine. Alle Experten sind sich daher einig, dass es keine Alternative zu tiefgreifenden Strukturreformen gibt. Wir brauchen einfach mehr Koordination und Effizienz in der GKV und SPV."
In diesem Zusammenhang verweist die AOK-Chefin auch auf die Schätzerkreis-Prognose, wonach die GKV in diesem Jahr voraussichtlich rund 341 Milliarden Euro ausgeben wird. "Das sind noch einmal rund 20 Milliarden Euro mehr als im Vorjahr. Geld ist also genug im deutschen Gesundheitswesen, trotzdem wimmelt es nur so von Über-, Unter- und Fehlversorgung. Zeit zu handeln!"
Die Umfrage wurde von forsa telefonisch unter 1.002 Befragten ab 18 Jahren zwischen dem 18. und 20. März 2025 durchgeführt.
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