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UPD Patientenberatung Deutschland gGmbH|12.10.2021

PRESSEMITTEILUNG

Vermutete Behandlungsfehler - UPD kritisiert mangelnde Kommunikationsbereitschaft von Ärzten

Berlin (kkdp)·Der Medizinische Dienst (MD) hat heute seine Begutachtungsstatistik zu vermuteten Behandlungsfehlern im Jahr 2020 veröffentlicht: Im vergangenen Jahr wurden 14.042 Gutachten zu vermuteten Behandlungsfehlern durch den MD erstellt. Das sind 511 weniger als im Vorjahr. Die Unabhängige Patientenberatung Deutschland (UPD) hat im Jahr 2020 zum Thema "Verdacht auf Behandlungsfehler" in mehr als 5.600 Fällen beraten. "Ratsuchende berichten der UPD immer wieder, dass Ärztinnen und Ärzte nicht offen mit ihnen kommunizieren und sie sich mit ihren Sorgen, Ängsten und Zweifeln nicht ernst genommen fühlen", sagt Thorben Krumwiede, Geschäftsführer der UPD. "Wir möchten betroffene Patientinnen und Patienten ermutigen, bei einem Verdacht auf einen Behandlungsfehler unbedingt Hilfe in Anspruch zu nehmen."

Regelmäßig berichten Ratsuchende der UPD, dass ihre Ärztinnen und Ärzte kein offenes Gespräch mit ihnen führen, wenn bei der Behandlung etwas schiefgelaufen sei. Viele vermissen Antworten auf ihre Fragen: So berichten Betroffene, dass sie aus Zeitgründen abgewimmelt werden oder sie sich abschätzig behandelt fühlen. "Ärztinnen und Ärzte sollten ihre Patientinnen und Patienten nicht noch mehr verunsichern, sondern offen damit umgehen, wenn sie Fehler machen", sagt Thorben Krumwiede.

Kommunikation durch Ärztinnen und Ärzte oft mangelhaft

Problematisch ist, dass sie juristisch nicht dazu verpflichtet sind, auf einen möglichen Behandlungsfehler hinzuweisen. "Nach der aktuellen Rechtslage müssen Ärztinnen und Ärzte lediglich in zwei Fällen über einen möglichen Behandlungsfehler informieren", erklärt Heike Morris, juristische Leiterin der UPD: "Wenn Betroffene konkret nachfragen oder aber wenn der Arzt oder die Ärztin dadurch einen gesundheitlichen Schaden abwenden könnte." Aus diesen Gründen würden viele nicht offen zu ihren Fehlern stehen oder sich entschuldigen, sagt Morris. "Das kann hochgradig frustrierend für die Betroffenen sein."

Aus Sicht der Unabhängigen Patientenberatung ließen sich durch eine bessere Kommunikation vielfach Rechtsstreitigkeiten vermeiden. Denn viele Betroffene wünschen sich eine offene Kommunikation, eine Entschuldigung reicht ihnen möglicherweise bereits aus. "Das spiegelt auch unsere Erfahrung aus der Beratung wider. Für Ärztinnen und Ärzte ist es daher ein Gewinn, offen und ehrlich mit ihren Patientinnen und Patienten zu sprechen", sagt Thorben Krumwiede.

Betroffene schweigen in vielen Fällen

Doch auch Betroffene selbst haben oft Hemmungen, offen zu sprechen, wenn sie einen Behandlungsfehler vermuten: Nach Zahlen aus dem TK-Monitor Patientensicherheit geben bei Verdacht auf einen Behandlungsfehler nur 40 Prozent der Patientinnen und Patienten die Vermutung auch weiter. Dabei glaubt mehr als jeder oder jede Vierte (27 Prozent), selbst schon einmal einen Behandlungsfehler erlitten zu haben. Nur ein Prozent der Betroffenen wendet sich an eine Patientenberatungsstelle.

"Wir möchten verunsicherte Patientinnen und Patienten ermutigen, sich an uns zu wenden", sagt Krumwiede. "Aus vielen Beratungen wissen wir, wie wichtig und hilfreich es für Betroffene ist, ihre Rechte sowie die Möglichkeiten für das konkrete weitere Vorgehen zu kennen. Zwar können wir nicht feststellen, ob im konkreten Fall wirklich ein Behandlungsfehler vorliegt. Aber Betroffene wissen dann, dass sie nicht allein sind - damit ist der erste Schritt in die richtige Richtung getan."

Verdacht auf Behandlungsfehler vor allem im operativen Bereich

Auch in diesem Jahr traten die meisten Verdachtsfälle auf Behandlungsfehler wieder im Zusammenhang mit Operationen auf: In 4.337 Fällen vermuteten Betroffene in orthopädischer oder unfallchirurgischer Behandlung einen Fehler. Dieser Verdacht bestätigte sich in 25,8 % der Fälle (1.117). Im Vergleich zum Vorjahr (4.665 Fälle) sank damit die Zahl der vermuteten Behandlungsfehler im operativen Bereich leicht.

Im Krankenhausbereich war dieses Fachgebiet mit 2.033 von 6.205 Anträgen auch laut aktueller Behandlungsfehlerstatistik der Gutachterkommissionen und Schlichtungsstellen der Bundesärztekammer der Bereich, in dem die meisten Behandlungsfehler vermutet wurden. 2020 kamen hiernach im niedergelassenen Bereich 466 von insgesamt 1.989 Begutachtungsanträgen aus dem Fachgebiet Unfallchirurgie und Orthopädie.

Auch die UPD hat im Jahr 2020 die meisten Beratungen zum Verdacht auf Behandlungsfehler im Bereich der operativen Eingriffe erfasst (1.608 Fälle).

Pressekontakt:

Jann G. Ohlendorf
Pressesprecher
Telefon: 0049-(0)30-868721-140
Email: presse@patientenberatung.de

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© 2000-2021 Redaktion kkdirekt; alle Rechte vorbehalten, alle Angaben ohne Gewähr.

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