
Sozialverband VdK Deutschland e. V.|01.04.2025
PRESSEMITTEILUNG
Koalitionsverhandlungen
VdK zum Primärarztsystem: "Für alle sollten die gleichen Regeln gelten"
Berlin (kkdp)·01.04.2025
Die Einführung eines Primärarztsystems ist Teil der Koalitionsverhandlungen von CDU, CSU und SPD. Die Hausarztpraxis soll dabei erste Anlaufstelle für Patientinnen und Patienten sein und diese nur bei einem festgestellten medizinischen Bedarf an Fachpraxen weiterleiten.
Zur Debatte steht dabei auch, ob Patientinnen und Patienten, die sich entgegen der Hausarztempfehlung vom Facharzt behandeln lassen wollen, an den zusätzlichen Kosten beteiligen müssen. Das hatte unter anderem der Präsident der Bundesärztekammer vorgeschlagen. VdK-Präsidentin Verena Bentele lehnt das entschieden ab. "Einen Nachweis, dass eine derartige Praxisgebühr die Zahl der Arzt-Patient-Kontakte reduziert, gibt es nicht", sagt sie. Dazu kommt: "Menschen mit wenig Geld haben jetzt schon einen schlechteren Zugang zu Gesundheitsleistungen, eine schlechtere Gesundheit und eine geringere Lebenserwartung. Es wäre fatal, diese Menschen noch weiter von einer guten medizinischen Versorgung abzuschneiden. Bereits jetzt gibt es eine Zwei-Klassen-Medizin durch die private Krankenversicherung. Den Facharzttermin sollten die erhalten, die ihn dringend benötigen, nicht die, die über das nötige Geld verfügen. Sollten sich nur Reiche einen Facharzt aussuchen können, ändert das wenig an langen Wartezeiten und großen Unterschieden in der Versorgung. Für alle müssen die gleichen Regeln gelten. Wir brauchen ein vernünftiges System, das unabhängig vom Geldbeutel dafür sorgt, dass alle sich daran halten, zuerst die Hausarztpraxis aufzusuchen."
Abgesehen davon gibt es viele weitere Fragen, die geklärt werden müssen: Wie lässt sich vermeiden, dass Praxen in ländlichen Regionen oder Haus- und Kinderarztpraxen überlastet werden? Was passiert, wenn der Hausarzt keine Überweisung erstellen will, die Patientin aber Bedarf dafür sieht? Wie wird auf Unzufriedenheiten mit der behandelnden Praxis reagiert? Wie finden Patientinnen und Patienten mit Behinderung eine barrierefreie Primärarztpraxis in ihrer Umgebung? "All diesen Fragen müssen sich CDU, CSU und SPD stellen, sollte das Primärarztsystem im Koalitionsvertrag festgeschrieben werden", sagt Bentele.
Sozialverband VdK kritisiert Debatte um erkaufte Facharzttermine
Verena Bentele: "Wäre fatal, wenn der Geldbeutel anstelle des medizinischen Bedarfs entscheidend ist"
Die Einführung eines Primärarztsystems ist Teil der Koalitionsverhandlungen von CDU, CSU und SPD. Die Hausarztpraxis soll dabei erste Anlaufstelle für Patientinnen und Patienten sein und diese nur bei einem festgestellten medizinischen Bedarf an Fachpraxen weiterleiten.
Zur Debatte steht dabei auch, ob Patientinnen und Patienten, die sich entgegen der Hausarztempfehlung vom Facharzt behandeln lassen wollen, an den zusätzlichen Kosten beteiligen müssen. Das hatte unter anderem der Präsident der Bundesärztekammer vorgeschlagen. VdK-Präsidentin Verena Bentele lehnt das entschieden ab. "Einen Nachweis, dass eine derartige Praxisgebühr die Zahl der Arzt-Patient-Kontakte reduziert, gibt es nicht", sagt sie. Dazu kommt: "Menschen mit wenig Geld haben jetzt schon einen schlechteren Zugang zu Gesundheitsleistungen, eine schlechtere Gesundheit und eine geringere Lebenserwartung. Es wäre fatal, diese Menschen noch weiter von einer guten medizinischen Versorgung abzuschneiden. Bereits jetzt gibt es eine Zwei-Klassen-Medizin durch die private Krankenversicherung. Den Facharzttermin sollten die erhalten, die ihn dringend benötigen, nicht die, die über das nötige Geld verfügen. Sollten sich nur Reiche einen Facharzt aussuchen können, ändert das wenig an langen Wartezeiten und großen Unterschieden in der Versorgung. Für alle müssen die gleichen Regeln gelten. Wir brauchen ein vernünftiges System, das unabhängig vom Geldbeutel dafür sorgt, dass alle sich daran halten, zuerst die Hausarztpraxis aufzusuchen."
Abgesehen davon gibt es viele weitere Fragen, die geklärt werden müssen: Wie lässt sich vermeiden, dass Praxen in ländlichen Regionen oder Haus- und Kinderarztpraxen überlastet werden? Was passiert, wenn der Hausarzt keine Überweisung erstellen will, die Patientin aber Bedarf dafür sieht? Wie wird auf Unzufriedenheiten mit der behandelnden Praxis reagiert? Wie finden Patientinnen und Patienten mit Behinderung eine barrierefreie Primärarztpraxis in ihrer Umgebung? "All diesen Fragen müssen sich CDU, CSU und SPD stellen, sollte das Primärarztsystem im Koalitionsvertrag festgeschrieben werden", sagt Bentele.
Pressekontakt:
Claudia Kepp
Pressesprecherin
Telefon 030 9210580-401
Mobil 0151 26163180
c.kepp@vdk.de

Dies ist ein Ausdruck aus www.krankenkassen-direkt.de
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