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Sonntag, 19.11.2017

Mitteilung

BKK Dachverband e.V.|19.10.2017

PRESSEMITTEILUNG

Betriebskrankenkassen enttäuscht über Gutachten zur Fortentwicklung des Risikostrukturausgleichs

Berlin·Wissenschaftler empfehlen "Steine statt Brot"

Die Betriebskrankenkassen (BKK) sind enttäuscht über die heute veröffentlichten Empfehlungen des Wissenschaftlichen Beirats beim Bundesversicherungsamt zur Weiterentwicklung des morbiditätsorientierten Risikostrukturausgleichs (RSA).

Das Bündel der vorgelegten Empfehlungen gehe an den tatsächlichen Wettbewerbsverzerrungen zwischen Kassen und Kassenarten vorbei, so Franz Knieps, Vorstand des BKK-Dachverbands, denn die Vorschläge bewegten sich allesamt im technokratischen Umfeld des gegenwärtigen RSA, der diese Probleme erst geschaffen habe. Dies sei auch nicht mit dem Hinweis auf technische Kennziffern zur Prognosequalität und Zielgenauigkeit aus der Welt zu schaffen. Befremdlich und praxisfern sei die Nichtberücksichtigung der Unterschiede bei den Zusatzbeitragssätzen, zumal der Beirat selbst einen intensiven Preiswettbewerb feststelle. Deshalb müssten die Wettbewerbsbedingungen insgesamt auf den Prüfstand und auch prinzipielle Alternativen zum RSA erörtert werden. Knieps kritisierte außerdem die generelle "Pfadabhängigkeit" der Empfehlungen und das Negieren von eindeutigen Indikatoren für die vorliegenden Wettbewerbsverzerrungen.

Auf Fehlentwicklungen reagiere der Beirat mit noch mehr RSA, statt Begrenzungen von Über- und Unterdeckungen zu erwägen oder der unsinnigen Praxis ein Ende zu setzen, dass Krankenkassen mit hohen Zusatzbeitragssätzen auch noch Gelder an günstige Kassen abführen müssten.

"Die Vorschläge des Beirats geben benachteiligten Kassen Steine statt Brot." sagte Franz Knieps in einer ersten Bewertung, der sorgfältige Analysen folgen würden, wenn die Langfassung des Gutachtens vorliege.

Der BKK Dachverband fordert die Politikerinnen und Politiker auf, die derzeit an einer Grundlage für eine künftige Regierungskoalition arbeiten, sich gegen eine Fortführung des Status Quo im Morbi-RSA auszusprechen und die Weichen für ein einfaches, transparentes und manipulationssicheres Verfahren zu stellen.

Anreize für Risikoselektion müssen gemindert und faire Wettbewerbsbedingungen geschaffen werden. Dabei sei ein Blick in die Entstehungsgeschichte des RSA ebenso hilfreich wie die Betrachtung der tatsächlichen Verhältnisse in den einzelnen Regionen. Der skizzierte Forschungsbedarf, den der Beirat aufzeigt, dürfe keine Legitimation für Abwarten sein.

"Jetzt Anpacken" fordert Knieps "und gegebenenfalls Übergangsregelungen schaffen, die Über- und Unterdeckung begrenzen!"

Pressekontakt:

Christine Richter
Pressesprecherin
Tel. (030) 2700406-301
christine.richter@bkk-dv.de


 

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