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Freitag, 22.09.2017

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GKV-Finanzergebnisse im 1. Quartal 2017

Finanz-Reserven der Krankenkassen steigen auf 16,7 Milliarden Euro

28.06.2017·Die gesetzlichen Krankenkassen haben im 1. Quartal des Jahres 2017 einen Überschuss von rund 612 Millionen Euro erzielt. Damit steigen die Finanz-Reserven der Krankenkassen auf rund 16,7 Milliarden Euro.

Das Bundesgesundheitsministerium (BMG) hat am Montag die Finanzergebnisse der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) von Januar bis März 2017 veröffentlicht. Demnach standen den Einnahmen in Höhe von rund 58,2 Milliarden Euro im 1. Quartal 2017 Ausgaben von rund 57,6 Milliarden Euro gegenüber. Die Einnahmen der Krankenkassen seien um 4,2 Prozent und die Ausgaben insgesamt um 3,9 Prozent gestiegen. Im 1. Quartal 2016 hatten die Krankenkassen einen Überschuss von 406 Millionen Euro ausgewiesen. Im Gesamtjahr 2016 gab es auf Basis der jetzt vorliegenden endgültigen Finanzergebnisse ein Plus von 1,62 Milliarden Euro.

Kassenarten schließen unterschiedlich ab

Bei einer differenzierten Betrachtung der BMG-Zahlen nach Kassenarten ergibt sich folgendes Bild: Die Allgemeinen Ortskrankenkassen (AOKen) verzeichneten einen Überschuss von rund 361 Millionen Euro, die Ersatzkassen von 155 Millionen Euro, die Betriebskrankenkassen (BKKen) von 27 Millionen Euro, die Innungskrankenkassen (IKKen) von 17 Millionen Euro und die Knappschaft-Bahn-See von 58 Millionen Euro. Lediglich die Landwirtschaftliche Krankenversicherung erzielte ein Defizit von 6 Millionen Euro.

Gesundheitsfonds leicht im Minus

Der Gesundheitsfonds, der zum Jahresende 2016 über eine Liquiditätsreserve in einer Größenordnung von rund 9,1 Milliarden Euro verfügte, verzeichnete im 1. Quartal 2017 einen saisonüblichen Ausgabenüberhang von rund 2,5 Milliarden Euro. Durch die laut BMG "äußerst günstige Entwicklung der Beitragseinnahmen des Gesundheitsfonds bei einem Anstieg der beitragspflichtigen Einnahmen im 1. Quartal von 4,4 Prozent" profitiere die Sozialversicherung insgesamt auch weiterhin von der Wirtschaftslage mit einer positiven Lohn- und Beschäftigungsentwicklung. Die Zuwachsraten bei den Einnahmen des Gesundheitsfonds lägen damit deutlich über dem Ausgabenanstieg der Krankenkassen.
Schwankungen im Gesundheitsfonds
Die Zahlen des ersten Quartals eines Jahres lassen im Gesundheitsfonds noch keine Rückschlüsse auf die Entwicklung im weiteren Jahresverlauf zu. Während die Ausgaben des Gesundheitsfonds als monatlich gleiche Zuweisungen an die Krankenkassen fließen, unterliegen die Einnahmen unterjährig erheblichen Schwankungen. Denn die Einnahmen aus der Verbeitragung von Sonderzahlungen wie Weihnachts- und Urlaubsgeldzahlungen fließen dem Gesundheitsfonds weitestgehend in der zweiten Jahreshälfte zu. Hinzu kommen weitere Zusatzeinnahmen aus den Rentenanpassungen.
Moderate Ausgabenzuwächse

Bei den Kassen gab es im 1. Quartal 2017 einen absoluten Ausgabenzuwachs von 3,9 Prozent, im 1. Quartal 2016 hatte der Zuwachs bei 4,0 Prozent, im Gesamtjahr 2016 bei 4,2 Prozent gelegen. Bei deutlich steigenden Versichertenzahlen von rund 1,2 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum lagen die Ausgabenzuwächse je Versicherten lediglich bei rund 2,7 Prozent. Die Leistungsausgaben stiegen um 4,0 Prozent (je Versicherten um 2,7 Prozent), die Verwaltungskosten um 2,3 Prozent (je Versicherten um 1,1 Prozent). Bei der Interpretation der Daten des 1. Quartals sei grundsätzlich zu berücksichtigen, dass die Ausgaben in vielen Leistungsbereichen in hohem Maße von Schätzungen geprägt sind, da Abrechnungsdaten häufig noch nicht vorliegen.

Entwicklungen in den einzelnen Leistungsbereichen

Arzneimittel
Die Ausgaben sind im 1. Quartal 2017 absolut um 3,8 Prozent und um 2,6 Prozent je Versicherten gestiegen. Die Ausgaben für innovative Arzneimittel zur Behandlung von Hepatitis C fielen in den ersten drei Monaten 2017 deutlich niedriger als im Vorjahreszeitraum aus. Die Rabatterlöse im Zuge von Vereinbarungen mit pharmazeutischen Unternehmern sind im 1. Quartal 2017 um rund 14 Prozent gegenüber dem 1. Quartal 2016 auf rund 950 Millionen Euro gestiegen.

Ambulante Behandlung
Im Bereich der vertragsärztlichen Vergütung stiegen die absoluten Ausgaben im 1. Quartal 2017 um rund 5 Prozent (je Versicherten um rund 3,7 Prozent) an. Ein erheblicher Teil des Zuwachses sei auf Ausgaben im Bereich der psychotherapeutischen Versorgung zurückzuführen, die absolut um rund 13 Prozent gestiegen sind.

Zahnärztliche Behandlung
Die Anstieg der Ausgaben für zahnärztliche Behandlung betrug 3,2 Prozent (je Versicherten 2,0 Prozent), beim Zahnersatz 0,3 Prozent (je Versicherten 0,9 Prozent). Abrechnungsdaten der Kassenärztlichen und Kassenzahnärztlichen Vereinigungen für das 1. Quartal liegen den Krankenkassen noch nicht vor - die Veränderungsraten haben daher Schätzcharakter und lassen nur begrenzte Schlüsse auf das Gesamtjahr zu.

Stationäre Behandlung
Die Ausgaben für Krankenhausbehandlungen stiegen im 1. Quartal 2017 um 3,3 Prozent (je Versicherten um 2,1 Prozent). Das Ausgabenplus zum Vorjahreszeitraum betrug damit gut 0,6 Milliarden Euro.

Krankengeld
Die Ausgaben für Krankengeld stiegen mit einer Veränderungsrate von 7,4 Prozent (6,1 Prozent je Versicherten) überproportional an. Zurückzuführen sei dies auf eine niedrige Ausgangsbasis im 1. Quartal 2016, in dem die Ausgaben leicht zurückgingen.

Heil- und Hilfsmittel
Die Ausgaben für Heilmittel (4,6 Prozent absolut) und Hilfsmittel (1,4 Prozent absolut) weisen niedrigere Zuwächse auf. Bei Heilmitteln sei jedoch davon auszugehen, dass Honorarerhöhungen der Heilmittelerbringer zu erheblichen Teilen erst nach Inkrafttreten des Heil- und Hilfsmittelversorgungsgesetzes ab dem 2. Quartal 2017 finanzwirksam werden.

Häusliche Krankenpflege
Bei der häuslichen Krankenpflege sei nach vielen Jahren mit zumeist zweistelligen Zuwachsraten im 1. Quartal 2017 erstmals ein deutlich moderaterer Anstieg von 5,0 Prozent (je Versicherten 3,8 Prozent) festzustellen.

Prävention
Bei den Ausgaben für Präventionsleistungen nach §§ 20 ff. SGB V verzeichneten die Krankenkassen im 1. Quartal 2017 gegenüber dem Vorjahreszeitraum einen weiteren absoluten Zuwachs von rund 16 Prozent, nachdem in diesem Bereich bereits 2016 ein Zuwachs von rund 46 Prozent erzielt wurde. Die Ausgaben für Leistungen zur primären Prävention nach dem Individualansatz gingen zwar im Vergleich zum Vorjahresquartal geringfügig um 2 Prozent zurück, jedoch stiegen die Ausgaben für betriebliche Gesundheitsförderung um 29 Prozent und für die Prävention in nichtbetrieblichen Lebenswelten um 37 Prozent. Das BMG begrüßt diese Entwicklung und führt sie auf das Präventionsgesetz zurück, mit dem die Krankenkassen ab 2016 verpflichtet wurden, ihr Engagement in einzelnen Lebenswelten (z.B. in Kitas, Schulen und Betrieben) auszubauen.

Hospiz- und Palliativmedizin
Die Ausgaben für die spezialisierte ambulante Palliativversorgung sind um rund 36 Prozent und die Zuschüsse der Krankenkassen für ambulante und stationäre Hospize um rund 20 Prozent angestiegen. Auch im Vorjahr gab es in diesen Bereichen vergleichbar hohe Zuwächse.

Niedrige Verwaltungskosten bei den Krankenkassen

Die Netto-Verwaltungskosten der Krankenkassen (also nach Verrechnung mit Erstattungen durch Dritte) sind im 1. Quartal 2017 mit 2,3 Prozent absolut (1,1 Prozent je Versicherten) nicht nur in geringerem Umfang gestiegen als die Leistungsausgaben. Der Zuwachs blieb auch deutlich unterhalb des Anstiegs im Jahr 2016, als die Ausgaben aufgrund höherer Zuführungen zu den Altersrückstellungen um 5,3 Prozent (4,3 Prozent je Versicherten) angestiegen sind.

Trotz Überschüssen - Kassenverband mahnt Reformen an

Die vor allem kunjunkturbedingt guten Zahlen dürften jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, "dass den Rekordeinnahmen ... so hohe Ausgaben wie noch nie gegenüberstehen", warnt der Sprecher des GKV-Spitzenverbandes in Berlin, Florian Lanz. Strukturelle Reformen, beispielsweise im Krankenhausbereich und bei den Arzneimitteln, seien daher unverzichtbar.

 

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