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Montag, 23.10.2017

News & Meldungen

Studie der Patientenbeauftragten

Krankenkassen lehnen Mutter/Vater-Kind-Kuren oftmals zu Unrecht ab

18.09.2017·Die Patientenbeauftragte der Bundesregierung, Ingrid Fischbach, hat gegenüber den Krankenkassen Missstände im Genehmigungsverhalten bei Mutter/Vater-Kind-Kuren kritisiert und angemahnt, dass die gesetzlichen Vorgaben umgehend von allen Krankenkassen eingehalten werden.

Die Kritik an der Genehmigungspraxis der Kassen ist nicht neu. Bereis 2012 hatten sich vor diesem Hintergrund der GKV-Spitzenverband, der Medizinische Dienst des Spitzenverbandes (MDS), die Elly Heuss-Knapp-Stiftung Müttergenesungswerk (MGW) und der Bundesverband Deutscher Privatkliniken (BDPK) auf eine überarbeitete Fassung der "Begutachtungsrichtlinie Vorsorge und Rehabilitation" verständigt, die als Grundlage für die Entscheidungen der Krankenkassen dient. Die Genehmigungszahlen waren in Folge bis einschließlich 2014 angestiegen. Eine aktuelle Studie der Patientenbeauftragten legt nun den Schluss nahe, dass erneut zahlreiche Anträge auf Mutter/Vater-Kind-Kuren zu Unrecht von den Kassen abgelehnt werden.

Studie: 72 Prozent der Widersprüche erfolgreich

Die Ergebnisse einer am 13.09.2017 von Fischbach veröffentlichten Studie belegen, dass die Erfolgsquote von Widersprüchen bei abgelehnten Mutter/Vater-Kind-Vorsorgemaßnahmen bei 72 Prozent liegt. Für die Patientenbeauftragte heißt das, "viel zu vielen Eltern werden diese Leistungen zunächst verweigert, obwohl ein berechtigter Anspruch besteht. Das lässt große Zweifel an den Entscheidungsprozessen der Krankenkassen aufkommen. Die Studie zeigt zudem, dass die einzelnen Krankenkassen ganz unterschiedlich genehmigen oder ablehnen. Für diese gravierenden Unterschiede der Leistungsablehnungen im Vorsorge und Rehabilitationsbereich gibt es keine sachliche Erklärung; sie legen den Schluss nahe, dass die Krankenkassen diesen Bereich zur Kosteneinsparung nutzen."

Patientenbeauftragte setzt Kassen Vier-Wochen-Frist

Fischbach fordert nun die Krankenkassen auf, innerhalb der nächsten vier Wochen Vorschläge zu unterbreiten, wie über Leistungsanträge einheitlicher und nach den gesetzlichen Vorgaben entschieden werden kann. Damit wären Versicherte nicht so häufig gezwungen, Widerspruch einzulegen, um beispielsweise eine Mutter/Vater-Kind-Kur zu erhalten. "Ich erwarte, dass sich die Krankenkassen an Recht und Gesetz halten. Patienten müssen sich darauf verlassen können, dass sie die Leistungen, die ihnen zustehen, auch bekommen - und zwar unabhängig von der Krankenkasse, bei der sie versichert sind."

Veröffentlichung der Erfolgsquote auf Website der Kasse

Weiterhin plädiert die Patientenbeauftragte dafür, dass die Krankenkassen die Widerspruchsquote und die Erfolgsquote der Widersprüche auf ihren Websites veröffentlichen, um diese Zahlen für die Versicherten transparent zu machen. So würde der Wettbewerb zwischen den Krankenkassen nicht mehr allein über die Höhe des Zusatzbeitrags, sondern auch über die gesetzeskonforme Bewilligung der Leistungen geführt werden, so Fischbach.

 

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