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Samstag, 27.05.2017

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Mehr Pflegebedürftige

Medizinische Dienste ziehen erste positive Bilanz zu neuer Pflegebegutachtung

24.04.2017·Seit rund 100 Tagen gilt für die Medizinischen Dienste der Krankenversicherung (MDK) ein neues Begutachtungsverfahren. Statt der bisherigen Pflegestufen i bis III gelten zur Bewertung der Pflegebedürftigkeit seit 01.01.2017 fünf Pflegegrade. Hierdurch erhielten im ersten Quartal fast 129.000 Menschen erstmals Leistungen aus der Pflegeversicherung, resumieren die MDK. Die Resonanz bei Versicherten und Gutachtern sei positiv.

Seit Januar 2017 wird die Pflegebedürftigkeit eines Menschen nach der verbliebenen Selbstständigkeit bemessen. Im Mittelpunkt des Begutachtungsverfahrens stehen dabei die Fragen: Wie selbstständig ist der Versicherte bei der Bewältigung seines Alltags und wobei benötigt er Unterstützung? Als pflegebedürftig gilt demnach insbesondere, wer körperliche, kognitive, psychische oder gesundheitliche Belastungen nicht selbstständig kompensieren kann.

Sich ergebende Pflegeleistungen müssen bei der zuständigen Pflegekasse beantragt werden. Diese beauftragt den MDK mit der Begutachtung des Versicherten. Neben der Empfehlungen für einen Pflegegrad beinhaltet das Gutachten auch Einschätzungen zu geeigneten Präventionsmaßnahmen, zur Rehabilitation sowie für Heil- und Hilfsmittel.

Mehr Begutachtungen durch neuen Pflegebegriff

Im ersten Quartal 2017 haben die MDK 222.178 Begutachtungen nach dem neuen Pflegebedürftigkeitsbegriff umgesetzt. Bei mehr als 80 Prozent (185.891) der Begutachtungen haben die Gutachter einen der fünf neuen Pflegegrade empfohlen. Dies hat der Medizinische Dienst der Spitzenverbände (MDS) in Berlin mitgeteilt. 128.996 dieser Pflegebedürftigen hätten erstmals Zugang zu den Leistungen aus der Pflegeversicherung. Im Pflegegrad 1 seien 43.434 Versicherte neu im Leistungsbezug. Positiv bewerten dabei sowohl Betroffene als auch die Gutachter den umfassenden Blick auf den Grad der Selbstständigkeit eines Pflegebedürftigen in insgesamt sechs elementaren Lebensbereichen - von Mobilität, Selbstversorgung über Verhaltensweisen und psychische Problemlagen, kognitive und kommunikative Fähigkeiten bis hin zu Umgang mit krankheitsbedingten Anforderungen und Gestaltung des Alltagslebens.(vgl. "Links zum Thema").

Begutachtungen ganz überwiegend fristgerecht

Aufgrund des hohen Auftragsvolumens, so der MDS, müssten Versicherte mit einer Wartezeit zur Begutachtung von vier bis zu acht Wochen rechnen. Für dringliche Fälle gebe das Gesetz jedoch Fristen vor, in denen der gesamte Vorgang vom Antrag bis zum Leistungsbescheid durch die Pflegekasse erfolgt sein müsse. Dazu gehören:

Für Pflegebedürftige gilt beim Übergang vom Krankenhaus oder von der Reha-Einrichtung in die Pflege eine Ein-Wochen-Frist. Das heißt: Innerhalb von einer Woche stellt ein MDK-Gutachter die Pflegebedürftigkeit fest und die Krankenkasse erteilt einen entsprechenden Leistungsbescheid. Diese Ein-Wochen-Frist gelte auch für Begutachtungen bei Versicherten, die in der Palliativpflege sind.
Wenn Angehörige eine Pflegezeit beantragen, gilt eine Zwei-Wochen-Frist.
Bei Erstanträgen auf Heimpflege oder Pflege durch einen ambulanten Pflegedienst gilt eine 25-Arbeitstage-Frist.

Nachträgliche Leistungen bei späterer Begutachtung

Aktuell würden die Fristen nach Angaben des MDK in rund 96 Prozent aller Fälle eingehalten. Für alle Begutachtungsfälle gelte jedoch: Der Leistungsanspruch besteht ab dem Tag, an dem jemand seinen Antrag gestellt hat. Die Leistungen werden auch nachträglich gewährt. Pflegegeld und andere Leistungen werden bei der Zuerkennung eines Pflegegrades entsprechend nachgezahlt.

 

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