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Freitag, 17.11.2017

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GKV-Finanzergebnisse im 1. Halbjahr 2017

Rücklagen der gesetzlichen Krankenkassen steigen auf 17,5 Milliarden Euro

11.09.2017·In den ersten sechs Monaten haben die gesetzlichen Krankenkassen einen Überschuss von insgesamt rund 1,41 Milliarden Euro erzielt. Der bis einschließlich März erzielte Überschuss des 1. Quartals (612 Millionen Euro) hat sich damit mehr als verdoppelt. Die Gesamtrücklagen der Kassen stiegen damit zur Jahresmitte auf rund 17,5 Milliarden Euro.

Insgesamt standen den Einnahmen der Krankenkassen in Höhe von rund 116,4 Milliarden Euro Ausgaben von rund 115 Milliarden Euro gegenüber. Zum Vorjahreszeitraum stiegen die Einnahmen damit um 4,3 Prozent, die Ausgaben um 3,7 Prozent. 2016 hatten die Krankenkassen im 1. Halbjahr einen Überschuss von 598 Millionen ausgewiesen, im Gesamtjahr dann 1,62 Milliarden Euro. Dies geht aus den offiziellen Zahlen des Bundesgesundheitsministeriums (BMG) hervor.

Finanzentwicklung nach Krankenkassenarten

Alle Kassenarten konnten ihr Finanzergebnis im 1. Halbjahr nochmals deutlich verbessern. Dabei ergibt sich folgendes Bild: Die Allgemeinen Ortskrankenkassen (AOKen) verzeichneten einen Überschuss von rund 650 Millionen Euro (1. Quartal: 361 Mio. Euro), die Ersatzkassen von 456 Millionen Euro (1. Quartal: 155 Mio. Euro), die Betriebskrankenkassen (BKKen) von 111 Millionen Euro (1. Quartal: 27 Mio. Euro), die Innungskrankenkassen (IKKen) von 93 Millionen Euro (1. Quartal 27 Mio. Euro) und die Knappschaft-Bahn-See von 101 Millionen Euro (1. Quartal: 58 Mio. Euro). Lediglich die Landwirtschaftliche Krankenversicherung verbuchte einen Ausgabenüberhang von 1 Million Euro (1. Quartal: -6 Mio. Euro).

Gesundheitsfonds noch im Minus

Der Gesundheitsfonds, der zum Jahresende 2016 über eine Liquiditätsreserve in einer Größenordnung von rund 9,1 Milliarden Euro verfügte, verzeichnete im 1. Halbjahr 2017 einen Ausgabenüberhang von rund 3 Milliarden Euro. Das BMG weist jedoch darauf hin, dass hieraus noch keine Rückschlüsse auf eine ähnliche Entwicklung im weiteren Jahresverlauf gezogen werden können. Während die Ausgaben des Gesundheitsfonds als monatlich gleiche Zuweisungen an die Krankenkassen gezahlt würden, unterlägen die Einnahmen unterjährig erheblichen Schwankungen. Vor allem die Einnahmen aus der Verbeitragung von Sonderzahlungen wie Weihnachts- und Urlaubsgeldzahlungen - aber auch der Rentenanpassung zum 01.07.2017 - stünden dem Gesundheitsfonds erst in der zweiten Jahreshälfte zur Verfügung.

Ausgabensteigerung fällt geringer aus

Nach Angaben des BMG sank der absolute Ausgabenzuwachs bei den Krankenkassen im 1. Halbjahr 2017 auf 3,6 Prozent. In den Monaten Januar bis März lag der Ausgabenzuwachs noch bei 3,9 Prozent. Im Gesamtjahr 2016 lag er bei 4,2 Prozent, im Gesamtjahr 2015 bei 4,3 Prozent und im Gesamtjahr 2014 bei 5,7 Prozent. Die Ausgabenentwicklung bleibe dabei deutlich unter den Prognosen des Schätzerkreises, der im Oktober vergangenen Jahres mit einem absoluten Ausgabenzuwachs in einer Größenordnung von 4,9 Prozent gerechnet hatte. Bei deutlich steigenden Versichertenzahlen von rund 1,2 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum lagen die Ausgabenzuwächse je Versicherten im 1. Halbjahr lediglich bei rund 2,4 Prozent. Die Leistungsausgaben stiegen absolut um 3,7 Prozent (je Versicherten um 2,5 Prozent), die Verwaltungskosten veränderten sich um 0,9 Prozent (je Versicherten um -0,3 Prozent). Zur Abflachung der Ausgabenzuwächse je Versicherten hat nach neueren Erkenntnissen auch der Umstand beigetragen, dass die Neuzugänge an Versicherten, die die GKV in jüngerer Zeit verzeichnen konnte, im Schnitt nicht nur jünger sind, sondern auch weniger Gesundheitsleistungen in Anspruch nehmen als gleichaltrige Bestandsversicherte.

Entwicklungen in den einzelnen Leistungsbereichen

Arzneimittel
Die Ausgaben sind im 1. Halbjahr 2017 absolut um 3,2 Prozent und um 2,0 Prozent je Versicherten gestiegen. Durch Rabattvereinbarungen mit pharmazeutischen Unternehmern wurden die Krankenkassen erneut deutlich entlastet. Die Rabatterlöse sind um rund 7,6 Prozent gegenüber dem 1. Halbjahr 2016 auf rund 1,95 Milliarden Euro gestiegen. Zu der moderaten Entwicklung hat auch ein erheblicher Rückgang der Ausgaben für innovative Arzneimittel bei Hepatitis C gegenüber dem 1. Halbjahr 2016 beigetragen.

Ambulante ärztliche Behandlung
Hie stiegen die absoluten Ausgaben im 1. Halbjahr 2017 um rund 5,1 Prozent (je Versicherten um rund 3,9 Prozent) an. Das BMG weist darauf hin, dass es bei den Ausgaben für ärztliche Behandlung ab diesem Jahr bei einigen Kassenärztlichen Vereinigungen auf Grund der sog. "Konvergenzregel" zu höheren Vergütungen kommen wird. Die betroffenen Krankenkassen seien dazu angehalten, hierfür in den Quartalsstatistiken bereits anteilige Verpflichtungsbuchungen einzustellen. Ein erheblicher Teil des Zuwachses entfalle auch auf Mehrausgaben im Bereich der psychotherapeutischen Versorgung, die absolut um knapp 18 Prozent gestiegen sind.

Zahnärztliche Behandlung
Bei den Ausgaben betrug der absolute Anstieg 3,9 Prozent (je Versicherten 2,7 Prozent), beim Zahnersatz 1,0 Prozent (je Versicherten minus 0,2 Prozent). Da bei den Krankenkassen für das 1. Halbjahr bei Ärzten und Zahnärzten noch keine Abrechnungsdaten der Kassenärztlichen und Kassenzahnärztlichen Vereinigungen vorliegen, haben die ausgewiesenen Veränderungsraten im wesentlichen Schätzcharakter.

Stationäre Behandlung
Die Ausgaben für Krankenhausbehandlungen stiegen im 1. Halbjahr 2017 absolut um 2,5 Prozent (je Versicherten um 1,3 Prozent). Insgesamt erhielten die Krankenhäuser damit von den gesetzlichen Kassen in den Monaten Januar bis Juni rund 0,94 Milliarden Euro höhere Finanzmittel als im entsprechenden Vorjahreszeitraum. Hinzu kämen bereits vereinbarte Preissteigerungen (Landesbasisfallwerte), die in diese Daten teils noch nicht bzw. nicht für alle Monate einfließen konnten.

Krankengeld
Die Zuwächse beim Krankengeld, die bis zum Jahr 2015 häufig zweistellig waren, verlaufen mit einer Veränderungsrate von 5,0 Prozent (3,8 Prozent je Versicherten) ähnlich wie bereits im Vorjahr moderat.

Heil- und Hilfsmittel
Überproportionale Zuwächse ergeben sich mit einem absoluten Zuwachs von 6,6 Prozent bei den Ausgaben für Heilmittel. Hier sind deutliche Honorarerhöhungen der Heilmittelerbringer nach Inkrafttreten des Heil- und Hilfsmittelversorgungsgesetzes ab dem 2. Quartal 2017 finanzwirksam geworden. Der Anstieg bei den Ausgaben für Hilfsmittel (3,0 Prozent absolut) ist demgegenüber deutlich niedriger.

Häusliche Krankenpflege
Bei der häuslichen Krankenpflege ist nach vielen Jahren mit zumeist zweistelligen Zuwachsraten seit Anfang 2017 erstmals ein deutlich geringerer Anstieg von 6,6 Prozent (je Versicherten 5,3 Prozent) festzustellen.

Prävention
Bei den Ausgaben für Präventionsleistungen nach §§ 20 ff. SGB V verzeichneten die Krankenkassen im 1. Halbjahr 2017 gegenüber dem Vorjahreszeitraum einen weiteren absoluten Zuwachs von rund 12 Prozent (2016: +46 Prozent). Die Ausgaben für Leistungen zur primären Prävention nach dem Individualansatz gingen zwar im Vergleich zum Vorjahreshalbjahr um 7 Prozent zurück, jedoch stiegen die Ausgaben für betriebliche Gesundheitsförderung um 24 Prozent und für die Prävention in nichtbetrieblichen Lebenswelten sogar um 34 Prozent. Durch das Präventionsgesetz wurden die Krankenkassen ab 2016 verpflichtet, ihr Engagement in den sogenannten Lebenswelten (z. B. in Kitas, Schulen und Betrieben) deutlich auszubauen.

Hospiz- und Palliativversorgung
Bei der Hospiz- und Palliativversorgung haben die neuen gesetzlichen Rahmenbedingungen zu deutlichen Ausgabenzuwächsen geführt. So stiegen insbesondere die Ausgaben für die spezialisierte ambulante Palliativversorgung und die Zuschüsse der Krankenkassen für ambulante und stationäre Hospize nach bereits hohen zweistelligen Zuwachsraten im Vorjahr nochmals jeweils um rund 19 Prozent.

Geringe Verwaltungskosten der Krankenkassen

Die Netto-Verwaltungskosten der Krankenkassen haben sich im 1.Halbjahr 2017 mit 0,9 Prozent insgesamt nur geringfügig erhöht und sind je Versicherten sogar um -0,3 Prozent zurückgegangen. Vieles spreche dafür, so das BMG, dass dabei auch Synergieeffekte bei größeren Kassenfusionen eine Rolle spielen.

 

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