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Freitag, 24.02.2017

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GKV-Finanzentwicklung

Krankenkassen mit knapp 1,6 Milliarden Euro im Plus

10.12.2016·Vor allem durch eine moderate Ausgabenentwicklung, die im bisherigen Jahresverlauf unter der Prognose des GKV-Schätzerkreises lag, verzeichnen die Krankenkassen zum Ende des 3. Quartals 2016 einen deutlichen Überschuss. Zusammen mit dem Gesundheitsfonds steigen die Rücklagen in der GKV auf gut 22 Milliarden Euro.

Die gesetzlichen Krankenkassen haben im 1. bis 3. Quartal 2016 einen Überschuss von 1,55 Milliarden Euro erzielt. Die Finanzreserven der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) steigen damit auf gut 16 Milliarden Euro bei den Krankenkassen und über sechs Milliarden Euro im Gesundheitsfonds. Dies hat das Bundesgesundheitsministerium (BMG) am Donnerstag (08.12.2016) in Berlin mitgeteilt.

Insgesamt, so das BMG, standen den Einnahmen in Höhe von rund 167,65 Milliarden Euro Ausgaben von rund 166,10 Milliarden Euro gegenüber. Während die Kassen im entsprechenden Vorjahreszeitraum noch mit 359 Millionen Euro im Minus lagen, verzeichneten sie zur Jahresmitte 2016 bereits einen Überschuss von 589 Millionen Euro. Die Ausgaben je Versicherten stiegen dabei mit 3,2 Prozent deutlich schwächer als vom GKV-Schätzerkreis im Oktober 2015 prognostiziert. Bis zum Jahresende 2016 rechne das BMG mit einem weiteren Anstieg des Überschusses. Der Mehrzahl der Krankenkassen werde es damit möglich, die Rücklagen aufzustocken.

Finanzentwicklung nach Krankenkassenarten

Die differenzierte Betrachtung des Gesamtüberschusses von 1,55 Milliarden Euro nach Krankenkassenarten ergibt folgendes Bild: Die Ersatzkassen erzielten einen Überschuss von rund 757 Millionen Euro, die Allgemeinen Ortskrankenkassen (AOKen) von 559 Millionen Euro, die Betriebskrankenkassen (BKKen) von 91 Millionen Euro, die Knappschaft-Bahn-See von 125 Millionen Euro und die landwirtschaftliche Krankenversicherung von 26 Millionen Euro. Lediglich die Innungskrankenkassen (IKKen) wiesen ein geringfügiges Defizit von rund 7 Millionen Euro aus. Dabei sei zu berücksichtigen, dass von den Krankenkassen im 1. bis 3. Quartal 2016 per Saldo insgesamt Verpflichtungen von rund 420 Millionen Euro im Rahmen des Risikostruktur- und des Einkommensausgleichs ausgewiesen wurden, die nicht durch den Ausweis entsprechender Forderungen bei anderen Krankenkassen ausgeglichen wurden. Ohne diesen Sondereffekt, der auf das Vorsichtsprinzip bei der Buchführung zurückzuführen ist und insbesondere aus den derzeitigen stärkeren Versichertenbewegungen resultiert, würde der Gesamtüberschuss in den Monaten Januar bis September laut BMG bei rund zwei Milliarden Euro liegen.

Ausgabenüberhang beim Gesundheitsfonds

Der Gesundheitsfonds hat nach den Angaben des Ministeriums bis Ende September 2016 ein "saisonübliches" Defizit von rund 3,75 Milliarden Euro verzeichnet (Vorjahreszeitraum: -4,95 Milliarden Euro). Der Fonds verfüge damit zum Ende des 3. Quartals über eine Finanzreserve von rund 6,25 Milliarden Euro. Das BMG macht darauf aufmerksam, dass die Einnahmen des Fonds unterjährig erheblich schwanken und zum Jahresende hin, z. B. durch die Verbeitragung der Weihnachtsgeldzahlungen und der Rentenerhöhungen zur Jahresmitte, noch steigen würden.

Moderate Ausgabenzuwächse

Je Versicherten betrug der Ausgabenzuwachs im 1. bis 3. Quartal 2016 3,2 Prozent; im Gesamtjahr 2015 lag der Anstieg noch bei 3,7 Prozent. Die Leistungsausgaben stiegen um 3,1 Prozent je Versicherten, die Verwaltungskosten um 4,3 Prozent. Deutlich steigende Versichertenzahlen haben dazu beigetragen, dass die Ausgabenzuwächse je Versicherten um rund 0,9 Prozentpunkte niedriger ausgefallen sind als die absoluten Ausgabenzuwächse.
Entwicklung "je Versicherten"
Die Veränderungsraten bei den Finanzergebnissen werden je Versicherten ausgewiesen, um Verzerrungen durch das Ansteigen oder Absinken der Versichertenzahlen und den damit einhergehenden absoluten Mehr- oder Mindereinnahmen und -ausgaben zu verhindern.
Entwicklungen in einzelnen Leistungsbereichen

Arzneimittel
Nach Zuwächsen von 9,4 Prozent je Versicherten in 2014 und 4,0 Prozent in 2015 sind die Arzneimittelausgaben der Kassen im 1. bis 3. Quartal 2016 je Versicherten um 2,8 Prozent gestiegen. Dies entspricht einem absoluten Zuwachs von 0,98 Milliarden Euro (3,8 Prozent). Die Ausgaben für innovative Arzneimittel zur Behandlung der Hepatitis C fielen dabei im Vergleich zum entsprechenden Vorjahreszeitraum um rund 450 Millionen Euro niedriger aus. Die Rabatterlöse durch Vereinbarungen mit pharmazeutischen Unternehmen steigen im 1. bis 3. Quartal 2016 um knapp 11 Prozent auf rund 2,81 Milliarden Euro.

Ambulante Behandlung
Die Ausgaben für die vertragsärztliche Vergütung stiegen je Versicherten um rund 3,6 Prozent (absolut um rund 4,5 Prozent bzw. 1,18 Milliarden Euro). Bei den darin enthaltenen Ausgaben für ambulante psychotherapeutische Versorgung gab es einen Zuwachs um rund 119 Millionen Euro (8,6 Prozent); die Ausgaben für Hochschulambulanzen stiegen um rund 90 Millionen Euro (23,7 Prozent). Für zahnärztliche Behandlung gaben die Krankenkassen je Versicherten 3,3 Prozent (absolut 4,2 Prozent) mehr aus, beim Zahnersatz gab es je Versicherten einen geringen Rückgang von -0,9 Prozent.

Stationäre Behandlung
Die Ausgaben für Krankenhausbehandlung stiegen im 1. bis 3. Quartal 2016 je Versicherten um 2,5 Prozent (absolut um 3,4 Prozent). Insgesamt erhielten die Krankenhäuser allein von den gesetzlichen Krankenkassen rund 1,8 Milliarden Euro höhere Finanzmittel als im entsprechenden Vorjahreszeitraum. Durch eine Buchungsumstellung bei einer großen Krankenkasse und in Folge der Auswirkungen des Krankenhausstrukturgesetzes rechnet das BMG damit, dass sich die Zuwachsrate im weiteren Jahresverlauf noch erhöhen wird.

Krankengeld
Die Krankengeldausgaben sind mit 3,4 Prozent je Versicherten (4,3 Prozent absolut) vergleichsweise moderat gestiegen. Nach einer zuvor über mehrere Jahre stark steigenden Ausgabenentwicklung mit zum Teil zweistelligen Zuwachsraten ist seit 2015 eine deutliche Abflachung zu verzeichnen.

Prävention
Im Bereich der Präventionsleistungen nach §§ 20 ff. SGB V stiegen die Ausgaben im 1. bis 3. Quartal 2016 gegenüber dem Vorjahreszeitraum von rund 218 auf rund 321 Millionen Euro (46 Prozent). Die Ausgaben für Leistungen zur primären Prävention nach dem Individualansatz stiegen von 138 auf 151 Millionen Euro (9,5 Prozent), für betriebliche Gesundheitsförderung von 54 auf 89 Millionen Euro (64 Prozent) und für die Prävention in nichtbetrieblichen Lebenswelten von 26 auf 81 Millionen Euro (211 Prozent). Auch für die Förderung von Selbsthilfegruppen stiegen die Ausgaben der Krankenkassen von rund 39 auf rund 59 Millionen Euro (52 Prozent).

Hospize und Palliativmedizin
Deutliche Zuwächse gab es auch bei den Ausgaben für die Hospiz- (rund 27 Prozent) und Palliativversorgung (rund 23 Prozent). Mmit dem im vergangenen Jahr verabschiedeten Hospiz- und Palliativgesetz sollen wichtige Weichenstellungen zur Verbesserung der Versorgung umgesetzt werden.

Verwaltungskosten
Die Netto-Verwaltungskosten der Krankenkassen stiegen im 1. bis 3. Quartal 2016 mit 4,3 Prozent je Versicherten (5,3 Prozent absolut) nach insgesamt niedrigen Veränderungen in den Vorjahren stärker als die Leistungsausgaben. Der überproportionale Zuwachs sei darauf zurückzuführen, dass eine Reihe größerer Krankenkassen deutlich stärkere Rückstellungen für die zukünftige Altersversorgung ihrer Beschäftigten gebildet haben als in den ersten neun Monaten des vergangenen Jahres. Ohne diese - nicht zur Deckung laufender Verwaltungsausgaben erfolgenden - Rückstellungen, die auch vor dem Hintergrund des niedrigen Zinsniveaus zu sehen seien, liege der Anstieg der Netto-Verwaltungskosten laut BMG deutlich unterhalb des Anstiegs der Leistungsausgaben.

 

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