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Montag, 22.01.2018

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Finanzergebnisse der GKV bis zum 3. Quartal 2017

Reserven der Krankenkassen steigen auf 18,6 Milliarden Euro / Ministerium sieht Spielraum für Zusatzbeiträge

09.12.2017·Bei weiterhin steigenden Einnahmen und abflachenden Ausgabenzuwächsen haben die gesetzlichen Krankenkassen in den ersten neun Monaten 2017 einen Überschuss von gut 2,5 Milliarden Euro erzielt. Die damit auf rund 18,6 Milliarden Euro steigenden Rücklagen der Kassen, so der geschäftsführende Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU), böten den Kassen "gute Speilräume" auch bei den Zusatzbeiträgen. Hier gibt es ein Novum für 2018.

Die gesetzlichen Krankenkassen haben im 1. bis 3. Quartal des Jahres 2017 einen Überschuss von rund 2,52 Milliarden Euro erzielt. Das Plus der Kassen legte damit seit 30.06.2017 (1,41 Milliarden Euro) nochmals um gut eine Milliarde zu, was auch die Finanzreserven der Kassen bis Ende September 2017 auf rund 18,6 Milliarden Euro anwachsen ließ. Dies entspricht ungefähr einer Monatsausgabe und damit knapp dem Vierfachen der gesetzlich vorgesehenen Mindestreserve.

Insgesamt nahmen die Krankenkassen in den ersten neun Monaten 2017 rund 174,7 Milliarden Euro (+4,2 Prozent) ein. Dem standen Ausgaben von rund 172,2 Milliarden Euro (+3,7 Prozent) gegenüber. 2016 hatten die Kassen im selben Zeitraum einen Überschuss von rund 1,55 Milliarden Euro und im Gesamtjahr von 1,62 Milliarden Euro ausgewiesen.

BMG beschließt Beitragssenkung gegen die Kassen

Die Selbstverwaltungen der Krankenkassen beschließen bis zum Jahresende ihre Haushalte für 2018 und legen dabei ihren kassenindividuellen Zusatzbeitragssatz fest. Eine jeweils aktualisierte Liste finden Sie unter "Krankenkassen / Beitragsvergleich" (vgl. auch Box). Als Richtwert für die Kassen hatte das BMG bereits Ende Oktober den "durchschnittlichen Zusatzbeitragssatz" für 2018 auf Basis der Prognosen des GKV-Schätzerkreises um 0,1 Punkte auf 1,0 Prozent gesenkt.

Erstmals nimmt die Gegenüberstellung der Schätzungen zu den tatsächlichen Finanzergebnissen der Kassen einen besonderen Raum bei der Präsentation der Zahlen durch das Bundesgesundheitsmnisterium (BMG) ein. Während das BMG und das Bundesversicherungsamt (BVA) bei der Ausgabenschätzung für 2017 mit 3,8 Prozent nahezu richtig lagen, hätte die Krankenkassenseite im Schätzerkreis für 2017 einen Ausgabenzuwachs um 4,2 Prozent erwartet. Auch für 2018 konnte hinsichtlich der erwarteten Ausgaben kein Einvernehmen erzielt werden. Nach Schätzung des BMG und des BVA werden die Ausgaben in 2018 rund 236,2 Milliarden Euro betragen, nach Meinung des GKV-Spitzenverbandes hingegen rund 1,1 Milliarden Euro mehr. Rechnerisch ergibt sich aus den Schätzungen des BMG und BVA die für 2018 beschlossene Senkung des durchschnittlichen Zusatzbeitragssatzes von 1,1 auf 1,0 Prozent. Aus der Schätzung des GKV-Spitzenverbandes ergäbe sich dagegen keine Änderung des bisherigen Satzes.

Novum: "Relative Beitragsanhebung"

Erstmals seit Einführung des "durchschnittlichen Zusatzbeitragssatzes" wird dieser Wert vom BMG für 2018 gesenkt. Eine neue Situation ergibt sich dadurch für Mitglieder von Krankenkassen, die ihren individuellen Zusatzbeitragssatz nicht mindestens in gleicher Höhe mit absenken. Entsprechende Kassen haben dann einen im Vergleich zum Kassendurchschnitt höheren Finanzbedarf, welcher über den Zusatzbeitragssatz abgebildet wird (vgl. auch "Links zum Thema"). Ein Recht zur Sonderkündigung besteht dennoch nicht, da dieses die erstmalige Einführung oder die Anhebung des Zusatzbeitragssatzes voraussetzt. Mangels Sonderkündigungsrecht müssen betroffene Mitglieder hierauf auch nicht von ihrer Kasse hingewiesen werden.

Finanzentwicklung nach Krankenkassenarten

Nach den Zahlen des BMG konnten alle Kassenarten ihre Finanzergebnisse im Jahresverlauf 2017 stetig verbessern. Zum Teil konnte der Überschuss bis Ende September gegenüber dem Ergebnis des 1. Halbjahrs sogar mehr als verdoppelt werden. Dabei ergibt sich folgendes Bild:

© BUNDESMINISTERIUM FüR GESUNDHEIT

Ergebnis des Gesundheitsfonds

Der vom BVA verwaltete Gesundheitsfonds verzeichnete im 1. bis 3. Quartal 2017 ein Defizit von rund 3,7 Milliarden Euro. Dieses Ergebnis sei jedoch saisonbedingt, erklärt das BMG: Während die Ausgaben des Gesundheitsfonds als monatlich gleiche Zuweisungen an die Krankenkassen flössen, unterlägen die Einnahmen unterjährig - vor allem durch die Verbeitragung von Einmalzahlungen - erheblichen Schwankungen. Für das Gesamtjahr 2017 rechne der Schätzerkreis mit einem Minus von ca. 0,6 Milliarden Euro und einer Liquiditätsreserve zum Jahresende 2017 von knapp 8,5 Milliarden Euro (Ende 2016: 9,1 Milliarden Euro). Die Entnahme von rund 1,5 Milliarden Euro aus der Liquiditätsreserve sei darin bereits berücksichtigt.

Ausgaben der Kassen wachsen weniger schnell

Der Ausgabenzuwachs bei den Krankenkassen betrug im 1. bis 3. Quartal 2017 3,7 Prozent. In den Gesamtjahren zuvor lag das Ausgabenplus teils deutlich höher (2016: 4,2 Prozent, 2015: 4,0 Prozent, 2014: 5,7 Prozent). Zu unterscheiden ist jeweils der Zuwachs insgesamt und "je Versicherten". Bei deutlich steigenden Versichertenzahlen von rund 1,2 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum lagen die Ausgabenzuwächse je Versicherten im 1. bis 3. Quartal bei rund 2,4 Prozent. Die Leistungsausgaben stiegen absolut um 3,6 Prozent (je Versicherten um 2,4 Prozent), die Verwaltungskosten veränderten sich um 1,9 Prozent (je Versicherten um 0,8 Prozent). Dabei seien die Neuzugänge, die die GKV in jüngerer Zeit verzeichnen konnte, im Schnitt nicht nur jünger, sondern nehmen auch weniger Gesundheitsleistungen in Anspruch als die gleichaltrigen Bestandsversicherten. Auch dies habe zu einer Abflachung der Ausgabenzuwächse je Versicherten beigetragen.

Entwicklungen in den einzelnen Leistungsbereichen

In fast allen größeren Leistungsbereichen ist die Ausgabenentwicklung in den Monaten Januar bis September moderat verlaufen.

Ambulante Behandlung
Im Bereich der ärztlichen Behandlung stiegen die Ausgaben um rund 5,1 Prozent an. Ein erheblicher Teil des Zuwachses ist auf Mehrausgaben im Bereich der psychotherapeutischen Versorgung zurückzuführen, die um 13,4 Prozent gestiegen sind. Bei den Ausgaben für zahnärztliche Behandlung betrug der Anstieg 2,3 Prozent, beim Zahnersatz 0,8 Prozent.

Da bei den Krankenkassen bislang bei ihrer Rechnungslegung nur für die ersten Monate des Jahres 2017 bei Ärzten und Zahnärzten Abrechnungsdaten der Kassenärztlichen und Kassenzahnärztlichen Vereinigungen vorliegen, haben die ausgewiesenen Veränderungsraten im wesentlichen Schätzcharakter.

Arzneimittel
Die Arzneimittelausgaben der Kassen sind um 3,7 Prozent gestiegen.

Stationäre Behandlung
Die Ausgaben für Krankenhausbehandlung stiegen um 2,4 Prozent. Aus der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) erhielten die Krankenhäuser damit von Januar bis September 2017 insgesamt rund 1,35 Milliarden Euro mehr als im entsprechenden Vorjahreszeitraum. Hinzu kommen bereits vereinbarte Preissteigerungen (Landesbasisfallwerte), die in diese Daten teils noch nicht bzw. nicht für alle Monate einfließen konnten sowie weitere Verbesserungen im Krankenhausbereich.

Krankengeld
Die Zuwächse beim Krankengeld verliefen mit einer Veränderungsrate von 5,0 Prozent ähnlich wie bereits im Vorjahr vergleichsweise moderat.

Heil- und Hilfsmittel
Überproportionale Zuwächse ergeben sich mit einem Zuwachs von 5,7 Prozent bei den Ausgaben für Heilmittel. Hier sind deutliche Honorarerhöhungen der Heilmittelerbringer nach Inkrafttreten des Heil- und Hilfsmittelversorgungsgesetzes ab dem 2. Quartal 2017 finanzwirksam geworden. Der Anstieg bei den Ausgaben für Hilfsmittel in Höhe von 2,5 Prozent ist demgegenüber deutlich niedriger.

Häusliche Krankenfpflege
Bei der häuslichen Krankenpflege betrug der Zuwachs im 1.-3. Quartal 2017 rund 6,1 Prozent. Nach mehreren Jahren mit zumeist zweistelligen Zuwachsraten verlief der Anstieg seit Anfang 2017 damit deutlich moderater.

Prävention
Bei den Ausgaben für Prävention nach §§ 20 ff. SGB V verzeichneten die Krankenkassen im 1. bis 3. Quartal 2017 einen Zuwachs von rund 14,6 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Die Ausgaben für Leistungen zur primären Prävention nach dem Individualansatz gingen im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 2,1 Prozent zurück, die der betrieblichen Gesundheitsförderung stiegen dagegen um 22 Prozent, für die Prävention in nichtbetrieblichen Lebenswelten um 39 Prozent.

Hospiz- und Palliativversorgung
Bei der Hospiz- und Palliativversorgung stiegen die Ausgaben für die spezialisierte ambulante Palliativversorgung um rund 18 Prozent und die Zuschüsse der Krankenkassen für ambulante und stationäre Hospize um rund 7,6 Prozent.

Verwaltungskosten der Krankenkassen
Die Netto-Verwaltungskosten der Krankenkassen sind vom 1. bis 3. Quartal 2017 mit 1,9 Prozent insgesamt in geringerem Umfang gestiegen als die Leistungsausgaben. Das BMG sieht einen Grund hierfür in Synergieeffekten durch größere Krankenkassenfusionen. Dabei sei auch zu berücksichtigen, dass eine Reihe größerer Krankenkassen bereits bis Ende September zusätzliche Alterungsrückstellungen für zukünftige Versorgungsleistungen ihrer Mitarbeitergebildet hat, die im Anstieg der Verwaltungskosten abgebildet sind.

 

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